100köpfige Delegation verlebt wundervolles Pfingstwochenende bei Freunden in der österreichischen Partnergemeinde Tragwein (02.06.2009)

Tragwein im Mühlviertel. Am Pfingstwochende reiste eine 100köpfige Delegation aus der Stadt Amöneburg in das österreichische Tragwein. Darunter fast 50 Musiker des Blasorchesters der Freiwilligen Feuerwehr Mardorf und zahlreiche Mitglieder der Feuerwehr Mardorf. Über eine persönliche Bekanntschaft von Traktor-Alex Dörr vor 34 Jahren mit dem damaligen Feuerwehrkommandanten Alois Landl, der leider bereits verstorben ist, war über eine Freundschaft zweier Feuerwehren und im Jahr 1983 eine offizielle Städtepartnerschaft zwischen der 3.200 Einwohner großen Marktgemeinde Tragwein und der Stadt Amöneburg entstanden. So war es auch ein wesentlicher Teil des Zusammentreffens, das 25jährige Jubiläum der offiziellen Städtepartnerschaft im Jahr 2008 nachzufeiern. Gleichzeitig fand auch das Ringpartnerschaftstreffen mit Tuoro sul Trasimeno (Italien) und Chateau-Garnier (Frankreich) statt, die wie immer eine Delegation entsandt hatten. Die Gäste aus Deutschland hatten eine Fahrt von 650 Kilometern zu absolvieren, die Italiener hatten eine Strecke von 950 Kilometern und die Franzosen sogar eine Strecke von 1400 Kilometern auf sich genommen, um nach Tragwein zu reisen.

Schon der Empfang der deutschen Delegation war toll. So fing die Feuerwehr Tragwein die ankommenden Busse schon an der Bundesstraße vor Tragwein ab und eskortierte die Gäste zum Marktplatz neben der Kirche, wo der Musikverein Tragwein wartete um den Gästen einen musikalischen Willkommensgruß zu bereiten. Viele Freunde der Städtepartnerschaft/en trafen sich wieder und lagen sich in den Armen. Aber auch eine Reihe von Mitreisenden hatte bisher noch keinen Kontakt mit der Ringpartnerschaft, die zwischen den vier Gemeinden als allererste ihrer Art in der Europäischen Union im Jahr 1996 ins Leben gerufen wurde. Sodann konnten sich die österreichsichen Gastgeber unter der Federführung von Bürgermeister Joseph Naderer von ihrer besten Seite zeigen, in dem der Empfang und die Aufteilung auf die Quartiere erfolgte.

Schon für den ersten Abend hatten sich die Tragweiner ein wundervolles Programm ausgedacht und organisiert. So wurden die Gäste in die im Aisttal liegende alte Burg Reichenstein gebracht. Diese idyllisch gelegene Burganlage, die sich in Privatbesitz befindet, wird seit vielen Jahren vom Burgverein unterstützt. Der Burgverein ist es, der die Anlage nach und nach restauriert und für Veranstaltungen nutzbar macht. Derzeit wird z.B. im Burghof Freilichttheater aufgeführt und der fast fertig restaurierte Rittersaal eignet sich für viele Veranstaltungen. Der Burgverein unterhält auch mit dem Waldaiststöckl eins schönes Museum in der Burg, dass die Besucher von Herrn Huber vom Burgverein erklärt bekamen. Das Museum zeigt z.B. eine Ausstellung zum Thema Flußperlmuschel, eine seltene Süßwassermuschel, die in der österreichsichen Kaiserkrone zu finden ist. Die Art der Flußperlmuschel ist ein Indikator für die Sauberkeit des Fluswassers der Aist, denn sie kommt nur in sehr sauberen Flüssen vor, die auch Lebensarum der Bachforelle sind. Mit aufwändiger Konferenztechnik ermöglichten die Gastgeber den Gästen aus Italien und Frankreich dabei eine Simultanübersetzung. Danach gab es ein feudales Ritteressen mit musikalischer Umrahmung im Rittersaal. Dazu hatten sich drei Tragweiner Gastwirte zusammengechlossen.

Am Samstag stand dann zunächst eine Besichtigungsfahrt der oberösterreichischen Landeshauptstadt Linz, die wunderschön an der Donaulschleife liegt, die die Grenze zum Mühlviertel bildet, auf dem Programm. Linz ist Europäische Kulturhauptstadt 2009. Dementsprechend groß sind die kulturellen Angebote, die im laufenden Jahr angeboten werden. Vom Pöstlingberg, der Linzer Hausberg ist, konnten tolle Blicke über die Stadt und das Mühlviertel gemacht werden. In der Grottenbahn, einer unterirdischen Märchenwelt, die schon seit etwa 100 Jahren besteht, konnten sich die Gäste mit dem Thema Märchen auseinander setzen. Danach stand eine Stadtführung auf dem Programm und der Besuch des neuen und interessanten Museums ars electronica.

Danach ging es zurück nach Tragwein, wo in der Norbert-Eder-Halle, eingebettet in das Tragweiner Blasmusifest, der Festakt zum Jubiläum mit Ringpartnerschaftstreffen stattfand. Tragweins Bürgermeister Joseph Naderer, Amöneburgs Bürgermeister Michael Richter-Plettenberg sowie Claudine Chevais in Vertretung des Bürgermeisters Francois Audoux aus Chateau-Garnier und Stefano Giudizio in Vertretung des Bürgermeisters Dr. Mario Bocerani blickten zurück auf die einzelnen Etappen der gemeinsam verbrachten Zeit und tauschten Gratulationen und Geschenke aus. Als Gastgeschenk hatten die Deutschen für den neu errichteten Spielplatz im Neubaugebiet in der Mardorfer Straße einen rustikalen Tisch und zwei Bänke im Gepäck, die an Ort und Stelle aufgebaut wurden. Allen Beteiligten war es dabei wichtig aufzuzeigen, wie wichtig die Europäische Verständigung ist und regten die Besucher dazu an, sich bei der bevorstehenden Europawahl zu beteiligen. Besonders diesen Aspekt betonte auch der oberösterreichische Europaabgeordnete Dr. Paul Rübig in seiner Rede. Für eine wundervolle musikalische Umrahmung sorgte der Musikverein Tragwein, der mit dem Blasorchester der Freiwilligen Feuerwehr Mardorf gemeinsam musizierte sowie die Zittermusikgruppe Tragwein.

Anschließend konnte bis tief in die Nacht beim Blasmusifest gefeiert und geschunkelt werden. Auf der Bühne standen die BBB, die Blech und Brass Banda oder auch Burgenland Bringt Blasmusik, die Blasmusik vom Feinsten bot. Die Profimusikergruppe, die seit 10 Jahren besteht war in 2002 Europameister in der Profiklasse der böhmisch-mährischen Blasmusik à la Ernst Mosch. Die zwölf jungen Männer aus dem Burgenland mussten über ihren viereinhalbstündigen Auftritt verteilt, die Hymne der böhmischen Blasmusik, nämlich den Böhmischen Traum, insgesamt vier Mal spielen, zu Freude aller Anwesenden von jung bis alt. Am Ende tanzten das vornehmlich junge Publikum vor der Bühne.

Trotz aller Feierei ließen sich am Pfingtsonntag alle Gäste zum gemeinsamen Pfingstfestgottesdienst in die Tragweiner Kirche ein, der international gestaltet war und wundervolle musikalische Abwechselung bot. Die Knappenkapelle und zwei Tenöre beteiligten sich ebenso wie der Mardorfer Organist Martin Gockel, der die Orgel spielte. Anschließend stellten sich die Gästegruppen und die Tragweiner Vereine zum Festzug durch den Ort auf, bei dem auch das Blasorchester der Frewilligen Feuerwehr aufspielte. Beim anschließenden Frühschoppen in der Norbert-Eder-Halle stellte das Blasorchetsr in seinem rund einstündigen Auftritt sein Können unter Beweis. Dem neuen Orchesterleiter Christian Wiechers konnte man dabei sichtlich anmerken, dass der Funken der Freundschaft auf ihn übergesprungen war.

Im Rahmen des Frühschoppens wurden dann von Johann Pötscher, Tragweiner Feuerwehrkommandant und Abschnittskommandant für den Bereich Pregarten, Ehrungen vorgenommen. Die anwesenden Gründer der Freundschaft auf deutscher Seite zwischen der Mardofer und der Tragweiner Feuerwehr  wurden mit der hohen Ehrung der Ehrenmedaille des Feuerwehrbezirks Freistadt in Silber ausgezeichnet. Das sind Wendelin Greb und Rudi Schick. Alex Dörr, der Urvater der Freundschaft auf deutscher Seite erhielt diese Auszeuchnung sogar in Stufe I in Gold und war davon sichtlich berührt. Er nahm die Ehrung Feuerwehruniform entgegen. Die gleiche Ehrung erhielten für besondere Verdienste Mardorfs Ortsvorsteher und Feuerwehrvereinsvorsitzender Heinrich Benner, Richard Schick und Heinz Nau.

Für den Nachmittag hatten sich die Gastgeber etwas ganz Besonderes ausgedacht. Auf dem nahe gelegenen Sportplatz stellten sich Gäste und Gastgeber zu einem Kreis auf und hielten ihre vier überdimensionalen Gemeindewappen in die Höhe. Vom Hubschrauber aus wurde dieses bis ins Weltall sichtbare Zeichen der europäisdchen Partnerschaft im Bild festgehalten. Anschließend trafen sich die Abordnungen aus allen Delegationen zur Diskussion im nahe gelegenen Feuerwehrhaus, um die weiteren Aktivitäten zu besprechen und den Gastgebern ihren Respekt und Dank vor der glänzend organisierten und durchgeführten Großveranstaltung zu zollen. Dabei stand auch der baldige Aufenthalt im französischen Chateau-Garnier vom 17.-20. Juli 2009 im Mittelpunkt. Amöneburg-Erfurtshausen feiert 30 Jahre Partnerschaft mit Chateau-Garnier und die dortige Volkstanzgruppe feiert ihr 50jähriges Bestehen. Dazu reisen wiederum etwa fünfzig Deutsche und kleinere Gruppen aus Italien und Österreich nach Frankreich.

Für 2010 ist ein Arbeitstreffen auf neutralem Boden geplant. In einer Konferenz sollen gemeinsame Mittel und Instrumente entwickelt werden, um sich noch tiefer inhaltich auszutauschen und Nachwuchs für die wundervollen Kontakte für die Ringpartnerschaft zu interessieren. Für 2011 hat die Volkstanzgruppe Erfurtshausen zum 40jährigen Jubiläum eingeladen. Einig waren sich alle Beteiligten, dass die Ringpartnerschaft eine auf wundervolle Weise gelebte  Freundschaft ist. Der Pfingstsonntag konnte sodann genutzt werden, um sich individuell zu beschäftigen. Vom Mostheurigen über die Feier zum 50sten Geburtstag des Tragweiner Originals Franz Himmelbauer oder ein weiterer Besuch der Stadt Linz war dabei vieles möglich.

Voll mit Erinnerungen traten die Gäste dann am Montagvormittag nach einer ausgiebigen Verabschiedung die Heimreise in ihre Herkunftsorte an.  

 

Und hier noch ein Fotoalbum von Hans-Jürgen Riehl