Neuer Betreiber für sieben Buslinien - ALV Oberhessen gewinnt Ausschreibung - Mit dem Fahrplanwechsel im Dezember erreicht die Stadt Amöneburg eine Reihe von Verbesserungen (14.07.2009)

Die Arbeitsgemeinschaft Linienverkehr (ALV) Oberhessen GmbH & Co. oHG wird zum Fahrplanwechsel am 13. Dezember 2009 den Betrieb von sechs lokalen und einer regionalen Buslinie im Landkreis Marburg-Biedenkopf für acht Jahre übernehmen. Nach einer europaweiten Ausschreibung des Rhein-Main-Verkehrsverbundes GmbH (RMV) und des Regionalen Nahverkehrsverbandes Marburg-Biedenkopf (RNV) wurden der Zuschlag erteilt und die Verträge unterschrieben.

(Foto: Erster Kreisbeigeordneter Dr. Karsten McGovern und Angelburgs Bürgermeister Norbert Mai unterschreiben für den Vorstand des Regionalen Nahverkehrsverbandes die Verträge mit dem neuen/alten Linienbetreiber)

Bei der Vertragsunterzeichnung, die am 23. Juni im Bürgerzentrum in Ebsdorfergrund-Dreihausen stattfand, äußerte sich der Erste Kreisbeigeordnete und RNV-Vorstandsvorsitzende Dr. Karsten McGovern sehr erfreut über die Ausschreibungsergebnisse: „Wir werden ein deutliches Plus an Qualität erleben. Neue Fahrzeuge mit besserer Ausstattung und besseren Klimaschutzstandards sind nur ein Aspekt, auf den wir jetzt mehr Einfluss haben.“ Der öffentliche Nahverkehr leiste einen erheblichen Beitrag zum Umweltschutz, der durch abgasarme Fahrzeuge noch an Bedeutung gewinne.

„Durch den Wettbewerb hat sich das Durchschnittsalter der Fahrzeuge im Verbund in den letzten Jahren deutlich verringert. Zudem schreiben wir Standards vor, die über die derzeit gültigen EU-Standards hinausgehen“, ergänzte Hartmut Achenbach, Geschäftsbereichsleiter Bestellmanagement beim RMV. Außerdem könne der RMV durch die Ausschreibungen die Information der Fahrgäste verbessern, indem er zum Beispiel die Lieferung von Echtzeitdaten für die dynamische Fahrplanauskunft vorschreibe. „So sind im Internet Verspätungsprognosen jederzeit abrufbar“.

Die ALV Oberhessen löst somit im Dezember 2009 die bisherigen Betreiber Regionalverkehr Kurhessen GmbH (RKH), Omnibusverkehr Fritz Herrmann GmbH & Co. KG, Omnibusverkehr Auto Nau GmbH & Co. KG, Stadtwerke Marburg und Omnibusbetrieb Daniel Wagner ab. Die Gesamtkilometerleistung auf den sieben Buslinien beträgt rund 861.000 Kilometer pro Jahr.

„Wir sind sehr froh, erneut Linienverkehre in der Region im Ausschreibungswettbewerb gewonnen zu haben“, freute sich der Geschäftsführer der ALV Oberhessen, Udo Diehl. „Da zwei der bisherigen Betreiber – die Firmen Nau und Herrmann – bei uns Gesellschafter sind und wir mit den beiden anderen als mögliche Subunternehmen sprechen, können wir langfristig mehr als 30 Arbeitsplätze in der Region sichern“, so Diehl weiter.

Die Ausschreibung erfolgte nach den Vorgaben des EU-Rechts. Mit diesem Verfahren können die Aufgabenträger das Verkehrsangebot für die Fahrgäste bezahlbar halten und gleichzeitig den Ansprüchen bezüglich Umweltstandards, Modernität und Komfort genügen. „Die Linien werden mit modernen, klimatisierten und teils niederflurigen Fahrzeugen gefahren. Im integrierten Schülerverkehr kommen Verstärkerfahrzeuge mit etwas einfacherer Qualität zum Einsatz. Bei den Niederflur-Bussen gibt es zudem Absenkvorrichtungen als Einstiegshilfen und eine Rampe für mobilitätseingeschränkte Fahrgäste an der breiten Tür“, so Dr. McGovern. Die Stehflächen pro Person seien qualitativ besser, als die Norm des Verbandes Deutscher Verkehrsunternehmen (VDV). „Zudem liegen die vorgeschriebenen Emissionswerte unter den derzeit gültigen EU-Standards“, sagte der Erste Kreisbeigeordnete und hob damit den Klimaschutzaspekt hervor.

„Um Dumpinglöhne zu vermeiden, besteht für den Ausschreibungsgewinner die Verpflichtung, Busfahrer mindestens nach dem tarifvertraglich vereinbarten Niveau für das private Omnibusgewerbe des Landesverbandes Hessischer Omnibusunternehmer zu entlohnen“, erklärte Dr. McGovern.

Ausgeschrieben wurden folgende Leistungen:

Regionale Linie 382 (aktuell Linie 5332): Kirchhain – Homberg – Burg- und Nieder-Gemünden
Die Buslinie 5332 wird im Zuge des neuen Konzeptes für die Nummerierung regionaler Linien in Linie 382 umbenannt. Sie spielt eine wichtige Rolle für die Schülerbeförderung nach Kirchhain und zur Stiftsschule St. Johann auf der Amöneburg. Die Linie verknüpft Burg- und Nieder-Gemünden mit Homberg (Ohm) und Kirchhain. In Kirchhain bestehen Anschlüsse zur Main-Weser-Bahn (RMV-Linie 30), in Burg- und Nieder-Gemünden zur Vogelsbergbahn (RMV-Linie 35). In Schweinsberg beziehungsweise Rüdigheim gibt es mit den Linien MR-80 und MR-85 Verbindungen nach Marburg und Stadtallendorf.

Lokale Linie MR-75: Amöneburg – Kirchhain – Großseelheim – Marburg
Die Linie MR-75 verbindet die Ortsteile Großseelheim, Kleinseelheim, Niederwald und Schönbach mit der Kerngemeinde Kirchhain und über das Marburger Klinikum mit dem Marburger Hauptbahnhof. Die Busse übernehmen die Schülerbeförderung aus diesem Bereich zu den Schulen in Marburg, zur Gesamtschule in Kirchhain und zur Stiftschule St. Johann auf der Amöneburg. Konzipiert wurde die Buslinie aus den derzeitigen Linien 11b und 93.

Lokale Linie MR-80: Schweinsberg – Rauischholzhausen - Marburg
Die Linie MR-80 führt von Schweinsberg über Erfurtshausen, Mardorf, Roßdorf, Rauischholzhausen, Wittelsberg, Moischt und Cappel zu den Marburger Haltestellen „Südbahnhof“ und „Erlenring“ mit Umstiegsmöglichkeiten. In Schweinsberg werden über die Linien 382 und MR-85 Verbindungen nach Kirchhain, Homberg (Ohm) und Stadtallendorf hergestellt. Weiterhin leistet die Linie Schülerbeförderung zu den Schulstandorten in Marburg und zu den Grundschulen in Mardorf und Schweinsberg. Die Linie MR-80 fasst die bisherigen Linienwege der Linen 54, 75 und 81 zusammen.

Lokale Linie MR-84: Ginseldorf – Erfurtshausen – Amöneburg – Kirchhain
Die Linie MR-84 ist auf den Schulverkehr zur Gesamtschule in Kirchhain und zur Stiftschule auf der Amöneburg aus den Ortschaften Ginseldorf, Bauerbach, Schröck, Moischt, Wittelsberg, Rauischholzhausen, Roßdorf, Mardorf und Erfurtshausen ausgerichtet.

Lokale Linie MR-85: Schweinsberg – Stadtallendorf – Schweinsberg
Die Linie MR-85 verbindet als Ringverkehr Stadtallendorf mit seinen Ortsteilen Niederklein und Schweinsberg sowie Rüdigheim (Stadt Amöneburg). Weiterhin übernimmt sie die Schülerbeförderung zur Georg-Büchner-Schule in Stadtallendorf und innerhalb Stadtallendorfs Stadtbusfunktionen. An der Haltestelle Stadtallendorf  „Bahnhof“ sind Umstiegsmöglichkeiten zu den Stadtbuslinien 91 und 92 sowie zur Buslinie 90 eingerichtet. Zudem bestehen in Schweinsberg über die Linien 382 und MR-80 Anschlussbeziehungen in Richtung Kirchhain, Homberg (Ohm) und Marburg.

Lokale Linie MR-86: Deckenbach – Dreihausen – Heskem – Marburg
Die Linie MR-86 stellt über Deckenbach (Vogelsbergkreis), Rüddinghausen (Kreis Gießen), Wermertshausen, Roßberg, Dreihausen, Heskem, Beltershausen, Frauenberg und Cappel die Verbindung zu den Marburger Haltestellen „Südbahnhof“ und „Erlenring“ mit vielfältigen Umstiegsmöglichkeiten her. Die Linie übernimmt Teilbereiche der Schülerbeförderung aus diesen Orten zur Gesamtschule in Heskem und zur Grundschule Dreihausen. Die Linie 86 wird zurzeit noch von den Stadtwerken Marburg bedient und geht dann künftig in die Linie MR-86 über, die vom RNV Marburg-Biedenkopf verantwortet wird.

Logo Regionaler NahverkehrsverbandLokale Linie MR-87: Amöneburg/Ebsdorfergrund – Heskem
Die Busse der Linie MR-87 übernehmen die Schülerbeförderung zur Gesamtschule in Heskem (sofern nicht auf Linie MR-86 befördert) aus der Stadt Amöneburg und der Gemeinde Ebsdorfergrund sowie Schweinsberg (Stadt Stadtallendorf) und Moischt (Stadt Marburg). Weiterhin werden die Schüler der Grundschule Amöneburg aus Rüdigheim befördert. Auch die Linie 87 wurde bisher von den Stadtwerken Marburg bedient und wird künftig als MR-87 vom RNV Marburg-Biedenkopf verantwortet.

Im Rahmen der kleinen Feierstunde anlässlich der Vertragsunterzeichnung, die vornehmlich das Gebiet der Stadt Amöneburg und der Gemeinde Ebsdorfergrund betraf, zeigte sich Bürgermeister Michael Richter-Plettenberg durchaus zufrieden, mit dem was die Stadt an Neuerungen zu dem zum Jahresende anstehenden Fahrplanwechsel erreichen konnte.

Ein wichtiger Punkt ist die Verlegung der Bushaltestelle Amöneburg-Bahnhof in die Petrus-Muskulus-Straße nahe der Grundschule. „Dadurch wird eine im Nahverkehrsplan für den Landkreis festgestellte Erschließungslücke weitgehend geschlossen“. Bisher gelten Teilbereiche der Amöneburger Siedlung als im Sinne des ÖPNV haltestellentechnisch als nicht erschlossen. Die meisten Busse fahren zukünftig in die Siedlung anstatt sie nur zu streifen. Dadurch wird der Weg zur Bushaltestelle deutlich kürzer und damit das Verkehrsangebote attraktiver, besonders für ältere Menschen.

Ein weiterer Punkt ist die Einführung von Anrufsammeltaxen, die in den Abendstunden und an den Wochenenden verkehren werden. Auch die Busangebote am Wochenende werden ausgebaut. Hierdurch wird die Erreichbarkeit der größeren Zentren und Umsteigepunkte sowie des Klinikums stark verbessert. Auf Wunsch der Stadtverwaltung wurde eigens sogar eine neue stadtinterne Linie kreiert, die die Hauptbuslinien, die das Stadtgebiet durchkreuzen, erstmalig miteinander verknüpft. Dadurch wird die Erreichbarkeit der einzelnen Stadtteile untereiander und nicht zuletzt auch der Stadtverwaltung erheblich verbessert.

Bürgermeister Richter-Plettenberg bezeichnete die Neuereungen als überfällig, schließlich sei das nunmehr vergebene Linienbündel das letzte überhaupt im Verbandsgebiet gewesen, welches neu ausgeschrieben wurde. Mahnende Worte richtete der Bürgermeister in diesem Zusammenhaang an das Konsortium der alten und neuen Busbetreiber, die durch die einzelnen Chefs am Termin vertreten waren, im Hinblick auf den Busverkehr von und zur Amöneburger Stiftsschule.

Sie versprachen sich zukünftig noch stärker an die mit dem RNV-Vorstand und der Stadt Amöneburg ausgeghandelten An- und Abfahrtspläne halten zu wollen. „Zukünftig werden wir keine Ausreden mehr gelten lassen“ sagte der Bürgermeister. Das neue System mit Satelittennavigation mit Echtzeitenerfassung erlaubt nämlich jederzeit die Standorte der Busse zu dokumentieren. Anhand der Aufzeichnungen kann ab Dezember 2009 von den Busunternehmern verlangt werden, auf Verlangen den Nachweis der Zu- und Abfahrt zu erbringen.

Letztendlich dankte der Bürgermeister dem Landkreis Marburg-Biedenkopf dass dieser kürzlich die Bankette an der Kreisstraße 30 zwischen der Erdaushubdeponie und dem Wanderparpklatz hat ausbauen lassen, so dass Busse dort vernünftig halten können bevor sie die Haltestelle in der Ritterstraße anfahren, und die vorgerigen gefahrenstellen damit beseitigt wurden.