Veränderungen im Personennahverkehr zum Fahrplanwechsel im Dezember 2009 stehen an
(15.09.2009)Mit der Ausschreibung des Linienbündels Südost durch den Regionalen Nahverkehrsverband Marburg-Biedenkopf mit seinem Vorstandsvorsitzenden Dr. Karsten McGovern zum nächsten Fahrplanwechsel im Dezember 2009, wird es in der Stadt Amöneburg einige Veränderungen im Busverkehr geben. Ende Juni wurden die Verträge mit den Auftragnehmern unterzeichnet (wir berichteten). In zum Teil jahrelangen Verhandlungen konnte die Stadtverwaltung eine Menge an Verbesserungen im ÖPNV erreichen, die wir Ihnen in der nächsten Zeit genauer vorstellen möchten. Eine Zusammenfassung war bereits Anfang Juli 2009 in den Amöneburger Stadtnachrichten abgedruckt worden. In der Folge 1) wollen wir uns befassen mit der:
Verlegung der Bushaltestelle Amöneburg-Bahnhof zur Grundschule Amöneburg
Mit dieser
Angelegenheit beschäftigten sich die Amöneburger Stadtverordneten
mehrfach. Zuletzt im Jahr 2001 beschloss die Stadtverordnetenversammlung
einstimmig, konkret die Möglichkeit der Verlegung der Bushaltestelle
Amöneburg-Bahnhof an die Amöneburger Grundschule zu prüfen. Es wurden
verschiedene Varianten geprüft, die allesamt schwierig erschienen, da in
jedem Fall gewährleistet werden musste, dass der vom Bahnübergang
kommende Linienbus in der Siedlung drehen muss. So wurde die
Angelegenheit zunächst wohl nicht weiter verfolgt. Als dann im Jahr
2006 zwei Schulkinder in der Straße Am Friedenstein auf dem Schulweg
angefahren wurden, und sich deren besorgte Eltern an die
Stadtverwaltung wandten, kam Schwung in die Sache. Bürgermeister Michael
Richter-Plettenberg und der damals neue Amöneburger Ortsvorsteher Herbert
Fischer setzten sich für eine Lösung ein. Gemeinsam mit einer
einzigartigen Eigenleistung von Anliegern gelang es innerhalb kürzester
Zeit mit finanziellen Mitteln der Stadt, nach Abstimmung mit dem
Landkreis und der Deutschen Bundesbahn, entlang der Kreisstraße einen
Gehweg zu errichten, und so den Fußweg zur bestehenden Bushaltestelle
zu verbessern.
Parallel dazu wurde das Thema Verlegung der Bushaltestelle jedoch weiter betrieben. Wieder wurden Varianten untersucht und verworfen und als einzig realistische Variante, die den baulichen Anforderungen der Busunternehmen entsprach, erschien wiederum die Verlegung der Bushaltestelle in die Petrus-Muskulus-Straße, also im Bereich der Grundschule, die ja bereits über eine Bushaltestelle verfügt. Dort waren die Bedenken der Schulleitung und der Elternschaft auszuräumen, was in einem Ortstermin mit der Schulleitung, der Elternvertretung dann schließlich auch gelang.
Gemeinsam erzielten Bürgermeister Michael Richter-Plettenberg und Ortsvorsteher Herbert Fischer die Einigung, dass eine neue Haltestelle nur in eine Richtung bedient wird, und möglichst abgewandt vom Eingang der Schule in Richtung Steinweg errichtet werden soll. Dies teilte die damalige Schulleiterin Frau Heber dem Landkreis Marburg-Biedenkopf als Schulträger in einem Schreiben schriftlich mit. Daraufhin führte die Stadtverwaltung mit dem Landkreis Marburg-Biedenkopf Verhandlungen über die Nutzung einer Fläche des Kreises, um die der vorhandene Gehweg als Bushaltestelle erweitert werden soll. Die Angelegenheit wurde auch im Amöneburger Ortsbeirat beraten, der keine Bedenken hatte. Gleichzeitig stellte die Stadt nunmehr den offiziellen Antrag an den Regionalen Nahverkehrsverband auf Verlegung der Bushaltestelle. Da es sich bei der Busverbindung von Kirchhain nach Homberg und weiter bis Burg-Niedergemünden um eine sog. Regionalbuslinie handelt, hatte aber nun noch die nächsthöhere Instanz, nämlich der Rhein-Main-Verkehrsverbund ein Wörtchen mitzureden.
Dieser lehnte die Verlegung der Bushaltestelle zunächst aus wirtschaftlichen Gründen ab, da er der Auffassung war, dass durch die etwas weitere Wegstrecke des Busses und der geringfügig längeren Fahrtzeit im Jahr Mehrkosten im fünfstelligen Bereich entstehen würden, die nicht gerechtfertiggt seien.
Fakt ist
aber, dass im Nahverkehrsplan des Landkreises Marburg-Biedenkopf klipp
und klar festgehalten ist, dass die Amöneburger Kernstadt im Bereich
der Siedlung als einer von wenigen Orten im gesamten Landkreis nur
unzureichend mit Haltestellen versorgt ist. Das liegt in der
Topographie des Ortes begründet. Streng genommen ist der Weg zu den
Haltestellen in der Ritterstraße und Am Bahnhof für viele potenziellen
Fahrgäste, vor allem ältere Menschen, viel zu weit. Deshalb war es
erklärtes Ziel der Stadtverwaltung weiter für die Verlegung de
Haltestelle zu kämpfen. Dies gelang mit Hilfe des Regionalen
Nahverkehrsverbandes auch, allerdings mit der Maßgabe, dass die
Umsetzung erst mit der o.g. Ausschreibung des Linienbündels Südost zum
Fahrplanwechsel im Dezember 2009 erfolgen kann. Das ist nun soweit,
und die Stadtverwaltung bereitet die Haltestellenverlegung konkret vor.
Noch bis zum Jahresende soll eine zusätzliche Aufstellfläche hergestellt
werden. Auch eine Buswartehalle ist zur Förderung beim Land Hessen
beantragt, deren Bewilligung wohl aber noch auf sich warten lassen
wird. Ab Dezember soll ein Großteil der Busse der neuen Regionallinie
382 (jetzt 5332) und der Schülerverkehr in die Gesamtschule in Heskem
nicht mehr über die Haltestelle Amöneburg-Bahnhof, sondern über die neue
Haltestelle Petrus-Muskulus-Straße/Steinweg abgewickelt werden. Einige
wenige Busse, die überwiegend dem Schülerverkehr dienen, werden nach dem
Willen des RNV auch weiterhin die Haltestelle Amöneburg-Bahnhof anfahren.
Die Intervention der Stadt dagegen, war leider nicht erfolgreich.
Durch die Verlegung der Bushaltestelle weiter in die Amöneburger Siedlung hinein soll der Öffentliche Personennahverkehr attraktiver gemacht werden. Gerade im Hinblick auf die Alterung der Bevölkerung und der Tatsache, dass viele ältere Menschen auf Busse und Bahnen angwiesen sind, macht es erforderlich, dass der Bus dichter zu den Menschen kommt.
Das kann als Hauptmotivation für die Haltestellenverlegung gesehen werden, die sich aber noch in der Praxis bewähren muss. Langfristig wird es vielleicht auch noch eine andere Lösung geben können, die zumindest eine weitere Haltestelle in der weitläufigen Siedlung bedeuten würde. Dies ist vermutlich aber ohne Grunderwerbskosten und Baukosten nicht zu realisieren. In diesem Sinne ist die Halterstellenverlegung als ein erster wichtiger Schritt in die richtige Richtung zu sehen.
Eine Verkürzung des Schulweges für viele Schüler der Kirchhainer, der Marburger Schulen oder der Gesamtschule Ebsdorfergrund ist nur ein Nebeneffekt. Die Bedenken einer Reihe von Schuleltern der Grundschule Amöneburg, die sich momentan angesichts des bevorstehenden Termins im Dezember konkretisieren, lassen sich durch den im Entwurf befindlichen Fahrplan eigentlich nicht recht belegen. Die Schuleltern hatten immer Sorge, dass es an der Bushaltestelle zu Konflikten zwischen Grundschülern und älteren Schülern kommt. Nach dem aktuellen Fahrplan werden sich beide Gruppen an den wenn auch nah beieinander liegenden Haltestellen nur in geringem Maß begegnen.
Von der Haltestellenverlegung sollen vor allem ältere Menschen und Menschen mit Mobilitätshindernissen profitierten, die auf den Öffentlichen Personennahverkehr angewiesen sind. Wie wir wissen wird die Anzahl der Älteren in den nächsten Jahren deutlich steigen. Diese nutzen den Bus aber nur dann, wenn das Angebot und die Ereichbarkeit gut ist. Mit den Verbesserungen in der Stadt Amöneburg ab Dezember 2009 wird in dieser Frage ein wichtiger Schritt nach vorne getan.