Herbst 1989 – die Wende in Stolpen……. (12.11.2009)

(von Altbürgermeister Ralph Biedermann) …..unter diesen Motto fand in der 15 km von Dresden entfernten Stadt eine Gedenkveranstaltung statt, zu der der damalige Bürgermeister der Stadt Amöneburg Ralph Biedermann eingeladen war und auch die Grüsse von Bürgermeister Richter-Plettenberg und der Bürger Amöneburgs mit im Gepäck hatte.

Im Wendejahr 1989 trat die Stadt Stolpen an die Stadt Amöneburg heran mit der Bitte, sie bei der neugewonnene kommunalen Eigenständigkeit und der Schaffung einer kommunalen Selbstverwaltung zu unterstützen.

Nur zur Erinnerung für diejenigen, die Stolpen nicht kennen:

Diese Stadt liegt genanuso wie Amöneburg auf einem Basaltkegel und ist von einer Schlossruine gekrönt. Die Strassen sind eng und beschaulich und den Stadtmittelpunkt stellt der Marktplatz mit dem Rathaus dar.Eine Zwillingsstadt könnte nicht ähnlicher sein. Dies war auch einer der Gründe, warum sich aus dem Hilfeersuchen im Wendejahr eine jahrelange Beziehung auch auf Vereinsebene ergab, wobei die Kolpingfamilie Amöneburg und die Freiwillige Feuerwehr Amöneburg hierbei besonders zu erwähnen sind.

Wie Biedermann nach seiner Rückkehr aus Stolpen gegenüber der Redaktion mitteilt, konnte er sich von dem enormen Aufschwung , die diese Stadt erlebt hat überzeugen. Neben der Komplettsanierung der Infrastruktur im Bereich Wasser und Abwasser, hat sich Kleingewerbe neu angesiedelt, die Gestaltung der privaten Häuser im Altstadtbereich ist nahezu abgeschlossen. Die grosse Burgruine, einer der grössten Deutschlands ,wurde zwischenzeitlich vom Freistaat Sachsen übernommen und zu einem Magnet für Touristen gestaltet. Damit  hat ein Aufschwung des Fremdenverkehrs stattgefunden, der mittlerweile einen wirtschaftlichen Pfeiler in Stolpen bildet.

Der ehemalige Bürgermeister wurde mit offenen Armen und Herzen empfangen, denn man hat die Hilfe in den ersten Jahren durch die Stadt Amöneburg dort nicht vergessen. Bürgermeister Uwe Steglich empfing Biedermann im Rathaus und informierte ihn über die politische Situation in Stolpen und im Freistaat . Am Abend fand der Festakt dann im Atrium der Ludwig Renn Schule statt. Geladen waren insbesondere die „Frauen und Männer der ersten Stunde“, diejenigen also , die im Herbst 1989 mutig auf die Strasse gingen und zu dem Zeitpunkt nicht wussten, wie die Sicherheitskräfte der DDR, geschweige denn die 10.000 russischen Soldaten in der nahen Dredner Kaserne reagieren würden.

Der Festakt,  so Bürgermeister Steglich in seiner Begrüssung, sei so konzipiert, dass die „Akteure der Anfangsphase“ zu Wort kommen sollen. Hierzu präsentierte er Bildmaterial aus der damaligen Zeit, wozu die Gespräche am Runden Tisch mit den Fraktionsvorsitzenden aus Amönburg ebenso gehörten, wie Gegenbesuche der Stolpener in Amöneburg.

Auch Ralph Biedermann ging in seinen Grussworten auf die damalige Zeit ein, die in all diejenigen, die sie hautnah erlebten, Spuren der Dankbarkeit hinterlassen haben. Die Hilfe Amöneburgs in der damaligen Zeit ging sehr weit. So erinnerte sich Biedermann an die Zusammenarbeit bei der Gestaltung des ersten Stolpener Haushaltsplanes des Jahres 1990. Ohne Grundlagen irgendwelcher Zahlen - wo sollte man sie herhaben - erstellte der damalige Amöneburger Kassenleiter Günter Ivo zusammen mit seinem Stolpener Kollegen Uhlemann einen Rumpfhaushalt, der dann die Grundlage für künftige Haushaltsplanungen darstellte. Auch die Stiftsschule schaltete sich helfend ein: sie stellte Schulbücher zur Verfügung, da die vorhandenen dermassen ideologisch eingefärbt waren, dass sie den Kindern nicht mehr zugemutet werden konnten. Der alte Unimog des Bauhofes wurde als Winterdienstfahrzeug zur Verfügung gestellt, gute Beziehungen zur Firma Siemens , Herbert Rausch aus Amöneburg ist vielen noch in liebevoller Erinnerung, machten den Transfer einer modernen Telefon-und Faxanlage für das Rathaus möglich und die Planer der Stadt Amöneburg machten eine kostenfreie Bestandsanalyse der maroden Infrastruktur mit Sanierungsvorschlägen. Dies und die Begegnung der Menschen untereinander brachten, so Bürgermeister Steglich Hoffnung und Zuversicht nach Stolpen. Man hat diese Hilfe gerne geleistet, so Biedermann in seinen Grussworten, denn das Geschenk der friedlichen Wiedervereinigung  wiegt dies alles auf.

Um Punkt 18.57 Uhr, als die Mauer in Berlin fiel, spielte die Schülerband der Renn Schule das Scorpions Stück“ wind of changes“ und auf der Leinwand sah und hörte man Günter Schabowski, der in seiner legendären Pressekonferenz die sofortige Reisefreiheit der DDR Bürger verkündete… was danach folgte ist bekannt.

Nach dem offiziellen Teil des Festprogrammes war der Abend noch lange nicht zu Ende, zuviel gab es zu erzählen, was zur Wende in Stolpen und in den Jahren danach geschah.

Eines teilte Biedermann der Redaktion nach seiner Rückkehr noch mit:“ Wer glaubt, in den neuen Bundesländern gäbe es keine Dankbarkeit für die Milliarden an Transferleistungen, dem empfehle ich, einmal nach Stolpen zu fahren und in die Gesichter der Menschen zu schauen!“