Reinhard Forst erhält die Verdienstmedaille des Verdienstordens der Bundesrepublik Deutschland (11.02.2010)
 

Der Staatssekretär im Hessischen Ministerium der Finanzen, Dr. Thomas Schäfer, und Landrat Robert Fischbach haben heute Herrn Reinhard Forst aus Amöneburg die Verdienstmedaille des Verdienstordens der Bundesrepublik Deutschland überreicht. „Ich danke Herrn Forst, der sich durch sein unermüdliches ehrenamtliches Wirken in Sachen Aussöhnung mit den Staaten Ost-Mittel-Europas sowie in der kirchlichen Arbeit, der Vereinsarbeit und im sozialen Bereich große Verdienste erworben hat“, unterstrich Dr. Schäfer.

„Herr Forst brachte und bringt sich mit seinen vielfältigen Aktivitäten sehr engagiert in die Gesellschaft ein. Es freut mich, dass Herr Forst für seinen großen Einsatz mit dem Verdienstorden der Bundesrepublik Deutschland ausgezeichnet wird“, erklärte Landrat Robert Fischbach.

Herr Forst kam im Jahr 1946 als Aussiedler aus der Tschechoslowakei nach Bayern, bevor er nach Ronhausen (Kreis Marburg) übersiedelte. Nach seinem Abitur studierte er Philologie, Politik, Archäologie, Osteuropäische Geschichte, Byzantinistik, Neu- und Altgriechisch in Marburg, Kiel, Wien und Athen. Herr Forst arbeitete bis zu seinem Ruhestand 2006 über 34 Jahre als Lehrer an der Stiftschule St. Johann in Amöneburg.

Während seiner beruflichen Tätigkeit war Herr Forst 30 Jahre Mitglied und viele Jahre Vorsitzender der Personalvertretung. Er organisierte an der Stiftsschule St. Johann alljährlich Projekttage zum Thema „Ost-Mittel-Europa“. Von etwa 1973 bis zu seinem Ruhestand leitete er außerdem die Schulbücherei. Nach der Wende initiierte und organisierte Herr Forst Begegnungen mit dem Lehrerkollegium einer Schule in Stolpen/Sachsen, zu dem auch heute noch Kontakte bestehen.

Herr Forst engagierte sich in vielfältiger Weise ehrenamtlich:
Er gehörte von 1972 bis 1977 dem Diözesanrat des Bistums Fulda an und war in dieser Zeit Sprecher einer Kommission, die sich mit karitativen und sozialen Diensten befasste.

Weiterhin war er Initiator für die Errichtung eines Mahnmals am Hauptgebäude der Stiftsschule St. Johann in Amöneburg für die im Konzentrationslager Auschwitz ermordete Amöneburger Familie Stern. Es ist seiner Beharrlichkeit und seinem Verhandlungsgeschick zu verdanken, dass dieses Mahnmal nach jahrelangen Verhandlungen mit dem Bistum Fulda  und der Stadt Amöneburg errichtet werden konnte.

1982 war Herr Forst Initiator und Gründungsmitglied des Arbeitskreises Asyl in Amöneburg. Er erteilte Asylbewerbern Deutschunterricht, unterstütze diese bei Behördengängen, dolmetsche und versorgte mehrere Asylbewerber lange Zeit mit Lebensmitteln. Herr Forst hat selbst einen Asylbewerber aus Eritrea bei sich aufgenommen und betreut.

Eine Herzensangelegenheit von Herrn Forst ist die Aussöhnung mit den Staaten Ost-Mittel-Europas. Seit 1960 ist er Mitglied der Ackermann-Gemeinde und 1961 Diözesansprecher der Jungen Aktion der Ackermann-Gemeinde in der Diözese Fulda. Er war von 1965 bis 1967 stellvertretender und von 1967 bis 1971 Bundessprecher des Jugendverbandes der Ackermann-Gemeinde. Herr Forst hat insbesondere Tagungen, Seminare, Begegnungen und Projekte mit tschechischen und slowakischen Partnern organisiert. Er ist bis heute ein gefragter und kompetenter Referent zu allen Fragen des deutsch-tschechischen Verhältnisses.

Herr Forst beteiligt sich seit langen Jahren als aktives Mitglied in verschiedenen Positionen beim TSV 1888 Amöneburg.

Er gründete und führt bis heute die Arbeitsgemeinschaft Schutz des Ohmtals e. V. Herr Forst hat an zahlreichen Aktivitäten zum Schutz des Ohmtals maßgeblich mitgewirkt, wie der Einrichtung eines Naturlehrpfades am Ringweg um die Amöneburg, als Wanderführer und  gegen eine Zerschneidung des Ohmtals durch die geplante Autobahn.

Seit 1990 ist Herr Forst auch Mitglied der Botanischen Vereinigung für Naturschutz in Hessen (BVNH) und nimmt seitdem die Interessen im Zusammenhang mit verschiedenen Straßenbauprojekten wahr. Er versteht es, mit zahlreichen Initiativen andere Bürgerinnen und Bürger für einen aktiven Umwelt- und Naturschutz zu begeistern und zu gewinnen.

Auf kommunaler Ebene war Herr Forst von 1985 bis 1993 und von 1997 bis 2001 Mitglied der Straßenbaukommission sowie von 1981 bis 1997 der Umweltschutzkommission des Landkreises Marburg-Biedenkopf. Weiterhin ist er seit 2007 sachkundiger Einwohner der neu gegründeten Ohmtalkommission der Stadt Amöneburg und arbeitet dort aktiv mit.

Bürgermeister Michael Richter-Plettenberg überrachte dem Geehrten die besten Glückwünsche seiner langjährigen Heimatgemeinde. Richter-Plettenberg betonte in seinen Dankesworten, dass Herr Forst eine Person sei, die beosnders aufmerksam ihre Umwelt betrachte und Dinge wahrnehme und einordnen könne, für die andere oft kein Auge hätten. Dabei sei sein Handeln stets von einer tief verwurzelten demokratischen Grundüberzeugung geprägt und sein Engagement zu jeder Zeit am Gemeinwohl und nicht an persönlichen Interessen orientiert.