Jüngste hessische Landtagsabgeordnete besuchte Ziegenbeweidungsprojekt im Naturschutzgebiet Amöneburg (05.04.2010)
Letzte
Woche machte die in Marburg lebende Grünen-Politikerin Angela Dorn
Be-kanntschaft mit ganz besonderen „Arbeitern“: Den Ziegen von Klaus Erber, die
auf den Magerrasenflächen an den Hängen im Naturschutzgebiet in Amöneburg
weiden. Seit knapp zwei Jahren wird die rund 4,6 Hektar große Fläche von den
Vierbeinern ganzjährig beweidet. Dabei übernehmen die Ziegen die Aufgabe von
Land-schaftspflegern: Sie fressen die sich ausdehnenden Sträucher und Gehölze
ab, damit sich der Magerrasen wieder entwickeln kann. So soll die frühere
Kulturlandschaft auf natürliche Weise wiederhergestellt werden. Die Stadt
Amönbeurg ist Eigentümerin der Flächen und Träerin des Projektes. Wie selten
diese Art des Bodenbewuchses ist, erläuterte Klaus Erber im Ziegenstall. Die
einzigartige Pflanzenwelt ist zum Teil außer in Amöneburg nur in Skandinavien
und im Alpenraum zu finden. Beim anschließenden Rundgang über die Weide hatte
die junge Landtagsabgeordnete Gelegenheit, sich mit Erber, Bürgermeister Michael
Richter-Plettenberg sowie Vertretern des Forstamtes Kirchhain, dem
Regierungspräsidium Gießen und dem Amt für den ländlichen Raum auszutauschen.
Die Weideflächen werden gem. des Beweidungskonzeptes variabel eingeteilt, sodass
die Ziegen immer dort ihre „Dienstleistung“ verrichten können, wo es der
Naturschutz gerade erfordert. Das Projekt wird im Auftrag des Landes
wissenschaftlich begleitet.
Im Gespräch mit der Landtagsabgeordneten äußerte Ziegenhalter Klaus Erber auch Kritik. Er erklärte, dass mit der Beweidung durch die Ziegen auch bürokratische Hürden überwunden werden müssen, etwa mit dem Einsetzen von zwei Ohrmarken pro Tier.
Mit
seinem wirtschaftlich wenig attraktiven Betrieb, der den Natur- und
Landschaftschutz im Auge hat, werde er einem normalen
landwirtschaftlichen Betrieb gleich gestellt. Dorn, deren Arbeitsschwerpunkt im
Verbraucherschutz liegt, kündigte an, in Wiesbaden anzuregen, dass bürokratische
Vorgänge wie dieser vereinfacht werden sollen. Neben den Ziegen, die derzeit
ihren Nachwuchs im Naturschutzgebiet zur Welt bringen, leben seit einiger Zeit
auch drei Schafe einer speziellen Rasse an den Hänge, die immer als Gruppe
zusammen bleiben. Sobald das Nahrungsangebot etwas magerer ist wird Klaus Erber
auch wieder die sieben Esel vom letzten Jahr ins Naturschutzgebiet schaffen,
dies wird ca. im Juni sein.
Ein besonderer Höhepunkt des Projektes ist, dass die Weideflächen vom Spaziergänger durchwandert werden können. Sogar ein attraktiver Rastplatz mit Tisch- Bankkombination ist vorhanden. Erber weist darauf hin, dass man die Tiere auf keinen Fall füttern soll. Er weist auch darauf hin, dass er bisher noch keine Probleme mit Hunden hatte, die selbstverständlich im kompletten Naturschutzgebiet an der Leine zu führen sind. „Diese würden im Konfliktfall gegen die Ziegen und vor allem gegen die Esel ohnehin den Kürzeren ziehen“ erklärt Klaus Erber, der im Hauptberuf in Marburg-Moischt ein Planungsbüro betreibt.
Eine
Woche vor der Besichtigung der Landtagsabgeordneten Dorn kam bereits ein
Arbeitskreis zusammen, der über den Erfolg des Projekts beriet. Dabei war man
erstaunt wie schnell die Ziegen bereits Teile des Niederwaldbestandes und des
Buschwerks angegangen hatten. Man entschied sich das angefallene Totholz im
Rahmen der natürlichen Sukzession vergehen zu lassen und nicht manuell
abtransportieren zu lassen. Für die Pflege des Naturschutzgebietes ist vorrangig
das Forstamt in Kirchhain zuständig.