Interessante Fahrt zu vier Biogasanlagen in der Region - fast 25 Personen aus verschiedenen Stadtteilen informierten sich (02.08.2009)
Fast 25 Personen folgten am vergangenen Samstag der Einaldiung von Rudi Schick aus Mardorf zu einer Besichtigungstour zu vier Biogasanlagen in der Region. Rudi Schick plant derzeit konkret die Errichtung einer Biogasanlage in der Mardorfer Gemarkung mit einer Leistung von 500 KW, wenn es, wie er sagt gelingt eine Nahwärmenetz im Dorf zu realisieren. Die Erweiterung der am 05. Juli 2009 in Erfurtshausen in Betrieb gegangenen Anlage mit derzeit 250 KW Leistung ist sehr wahrscheinlich, das Genehmigungsverfahren dafür läuft bereits. Damit kann in Erfurtshausen ebenfalls sehr konkret über ein Nahwärmenetz diskutiert werden. Die Stadtverordnetenversammlung hatte dazu bereits den Beschluss gefasst, dass sämtliche städtische Gebäude mit Wärmebedarf an solche Nahwärmenetze angeschlossen werden sollen. Damit will die Kommune, genau so wie der Landkreis für die Grundschule Mardorf, einen Beitrag zum Klimaschutz leisten und ihrer Vorbildfunktion nachkommen.
Die Einladung zur kostenlosen Infofahrt hatte Rudi Schick, der bereits an mehreren Biogasanlagen beteiligt ist, hatte dieser in der Informationsveranstaltung am 17. Juni im Bürgerhaus Mardorf ausgesprochen. Damit wollte er denjenigen, die Biogasanlagen besonders kritisch gegenüber stehen, durch reichhaltige Informationen und einem persönlichen Blick aus nächster Nähe die Möglichkeit geben, teilweise bestehende Vorurteile abzubauen.
Am letzten Samstag war es dann so weit und es ging mit dem Bus der Fa. Wagner zunächst nach Mölln, dann nach Erksdorf, dann nach Josbach und schließlich nach Erfurtshausen.
Die Möllner Anlage fiel dadurch auf, dass sie extrem leise arbeitet. Die hohe Schalldämmung des Industriegasmotors, der Strom und Wärme produziert, wurde dort gemacht, da die Anlage fast unmittelbar an die Wohnbebauung angrenzt. Auch Geruchsbelästigungen konnte man trotz warmer Witerung nicht feststellen. Das riesige Maissilo konnte man tatsächlich geruchlich erst wahrnehmen, wenn man unmittelbar davor stand Dies kommt vor allem dadurch, dass das Silo jeden Tag neu angeschnitten wird und die Anschnittfläche somit frisch bleibt, und es nicht zu Fehlgärungen kommt, die zu Geruchsbelästigungen führen könnten. "Dazu braucht der Betreinber keine behördliche Auflage" sagt Rudi Schick zur Erläuterung, denn der Betreinber mache das aus eigenem Interesse so, schließlich soll die Fermentierung und Methanausgasung ja erst im geschlossenen Behälter erfolgen.
Auch
den Geruch, der Gülle die in einem riesigen unterirdischen Behälter lagert und
automatisch in den Fermenter gepumpt wird, nahm man erst wahr wenn man über dem
Revisionsschacht in die Knie ging. Interessant war auch die Blick durch
Bullaugen in das Innere der kreisrunden Behälter. In Mölln wird die angrenzende
Mittelpunktschule, das Hallenbad und einige Wohnhäuser von der Anlage aus mit
Wärme versorgt.
Das Prinzip der Biogasproduktion (Man spricht auch von der Betonkuh) ist eigentlich gar nicht kompliziert und die Anlagentehnik ähnelt sich immer sehr. So wussten die Besucher bei der zweiten Anlage der Besuchstour in Erksdorf schon fast Bescheid was, wie funktioniert. Allerdings ist die Anlage anderer Bauart als die Anlage in Mölln. In Erksdorf wurde gerade erweitert von 250 KW auf 500 KW. Die Anlage entspricht somit baulich der in Erfurtshausen, außer, dass in Erfurtshausen der Fermenter und der Nachgärer tiefer in der Erde eingegraben sind. In Erksdorf konnte man schön sehen was an einem Tag mit viel Betrieb auf seiner Anlage los ist, denn es wurde dort am Samstag Gras siliert. Grassilage von etwa 40 Hektar Flächen, die im nächsten Jahr Parkflächen beim Hessentag werden, wurden in die benachbarten Silos eingearbeitet. Ein solches Verkehrsaufkommen hat man etwa 12 Tage im Jahr, denn dann ist das Futter der Anlage hinsichtlich Gras- und Maissilage bereits für ein ganzes Jahr eingefahren. Lediglich Gülle wird dann regelmäßig angeliefert und Gärreste, die hochwertiger Dünger sind, abgefahren. In Erksdorf finden ebenso wie in Mardorf derzeit Überlegungen statt ein Nahwärmenetz für Privathäuser einzurichten. Angeschlossen ist derzeit bereits ein nahe gelegener Mastsstall und die Fa. Ferrereo lässt auf der Anlage Backaustrieb trocknen, bevor er bis nach Holland transportiert wird, um dort zu Viehfutter weiter verarbeitet zu werden.
In Josbach auf dem Hof Staffel außerhalb der Ortslage angekommen, konnte man mit dem Aussiedler und seinen beiden Söhnen interessante Gespräche führen - weniger über die Anlagentechnik, denn sie ist kaum anders als in Erksdorf, als über die Nutzung der Wärme. In Josbach hat sich nämlich im Dorf eine Genossenschaft gegründet, die in Eigenregie ein Nahwäremnetz aufbauen will. In dem kleinen Ort sind bereits 28 Genossen vorhanden, die eine Einlage von je 2.500 € gemacht haben. Vorteil einer Genossenschaft ist, dass es vom Staat noch einmal hohe Zuschüsse für die Realisierung des Projekts gibt, wodurch ein Wirtschaftlichkeitsvorteil entsteht. Gleichzeitig kann die Genossenschaft, die ja in der Regel aus den Anschlussinabern besteht, günstige Kostenstrukturens schaffen und damit für möglichst niedrige Endpreise für die Wärme sorgen. Allerdings bedarf es zur Gründung einer solchen Genossenschaft einiger besonders aktiver Menschen, die sehr viel Zeit in den Aufbau der Genossenschaft hinein stecken.
Als
letzte Anlage stand die Anlage in Amöneburg-Erfurtshausen auf dem
Besichtigungsprogramm. Diese Anlage, die derzeit eine Nominalleistung von 250 KW
elektrische Leistung hat, steht unmittelbar neben dem Stall von Andreas Schick
mit etwa 200 Großvieheinheiten. Die dort anfallende Gülle wird automatisch in
den unterirdischen Gülletank geleitet und von dort in die Biogasanlage
zugeführt. Die Silos in Erfurtshausen sind etwas anders konzipiert - deren Wände
stehen schräg und man wird zwischen den drei Silos gehen können. Das erleichtert
das Auf- und Abdecken der Siloabdeckung. Die Anlage wurde am 05. Juli 2009 in
Betrieb genommen und hat aktuell eine Leistung von etwa 160 KW. Durch das warme
Wetter ging das Anheizen des Prozesses recht schnell, so dass in nur wenigen
Wochen die volle Leistung erreicht werden wird. Die Betreibergesellschaft hat
bereits den Antrag auf immissionsschutztrechtliche Genehmigung zur Erweiterng
auf 500 KW elektrische Leistung gestellt.
Noch größer kann die Anlage an diesem Standort leider nicht werden, da sie rechtlich gesehen eine über die Landwirtschaft im Sinne des Bauplanunsrechts privilegierte Anlage ist. Anlagen die größer als 500 KW elektrische Leistung sind, will die Regionalplanung zukünftig nur noch in Gewerbegebieten zulassen. Ob eine Anlage schon besteht, und am Standort vergrößert werden soll interessiert die Behörde beim Regierungspräsdium in Gießen dabei nicht.
Alles in allem konnte man nichts aufregend Negatives bei der Besichtigungstour feststellen - so ging man allseits zufrieden auseinander mit der Feststellung, dass die Schaffung eines Nahwärmenetzes mit aus erneuerbaren Energien erzeugter Wärme für die Orte Erfurtshausen und Mardorf eine echte Chance darstellt, um wichtige Klimaschutzziele zu erreichen und die Haushalte von den zu erwartenden straken Ölpreisanstiege unabhängier zu machen. Eine Chance, die nicht wiederkommen wird!
Die Sadtwerke Marburg sind möglicher Partner für die Nahwärmenetze in beiden Orten. Die Stadtwerke Marburg werden in der Zeit vom 10.-bis 14. August alle Hausgeigentümer mit Infomaterial anschreiben und um Rückmeldung zum 31. August 2009 bitten - dann wird man sehen, wie groß das Interesse ist.

Infos im Internet auch unter: