Die Grundversorgung steht auf der Kippe (21.12.2009)
Text und Bild von: Florian Lerchbacher (Oberhessische Presse) Zurzeit läuft alles darauf hinaus, dass Edeka seinen Markt in Amöneburg zum 31. August 2010 schließt. Betreiber Martin Pietsch und Bürgermeister Michael Richter-Plettenberg kämpfen dagegen an.
„Der
Parkplatz ist nicht ideal, die Zufahrt auch nicht“, weiß Martin Pietsch, der
Betreiber des Edeka-Marktes. Aber: Die Kernstadt hat zumindest einen Supermarkt
– fraglich nur, wie lange noch. Nach Angaben von Pietsch und Bürgermeister
Michael Richter-Plettenberg will das Unternehmen seine Filiale in Amöneburg zum
31. August 2010 schließen – eine Stellungnahme von Hans-Richard Schneeweiß, dem
Geschäftsführer der Edeka-Han-delsgesellschaft Hessenring war dazu trotz
mehrfacher Nachfrage der OP nicht zu erhalten. Laut Richter-Plettenberg sind die
Gründe für die geplante Schließung wirtschaftlicher Natur: die Umsätze sind zu
niedrig, die Kosten für die Miete im Vergleich zu hoch. Doch der Bür-germeister
will den Kopf nicht in den Sand stecken, schließlich geht es um die
„Lebensqua-lität“ in seiner Gemeinde – und das Geld: Ohne Grundversorgung vor
Ort sinke der Wert von Immobilien um 20 Prozent, betont er. Auch Pietsch will so
schnell nicht aufgeben, schließlich ist seine Familie seit 1926 in Mardorf
beziehungsweise inzwischen in Amöneburg im Einzel-handel tätig. Aber: „Der Kunde
entscheidet. Den Bürgern muss klar sein, dass die Geschäfte vor Ort ohne ihre
Unterstützung keine Chance haben.“ Richter-Plettenberg ergänzt: „Scheinbar
brauchen die Menschen ein anderes Einkaufserlebnis. Sie nehmen weite Anfahrten
in Kauf, bezahlen aber die gleichen Preise wie hier.“ Unterschied sei nur, dass
der Amöneburger Supermarkt kleiner sei, als manch modernes Einkaufszentrum.„Es
tut mir vor allem leid für unsere treuen Kunden“, sagt Martin Pietsch, seine
Frau Cornelia ergänzt: „Die älteren Menschen sind besonders betroffen, weil sie
nicht so mobil sind. “Für Richter-Plettenberg gibt es aber noch einen weiteren
Aspekt, der ihm aufstößt: Er habe bei einem Projekt der Uni Marburg einen
Vortrag über die Grundversorgung im ländlichen Raum gehalten, und der Vertreter
von Edeka habe sein Unternehmen dabei als „Partner des ländlichen Raums“
bezeichnet, der auf dem Land tiefe Wurzeln habe. Er fühle sich nach der
Nachricht von der geplanten Schließung von dem Konzern an der Nase herumgeführt,
da etwas propagiert werde, was dann nicht gelebt werde, ärgert sich der
Bürgermeister. Doch auch der Eigentümer des Gebäudes bekommt sein Fett weg: Er
habe nicht in die Verbesserung der Attraktivität des Standorts investiert. Um
die Grundversorgung zu sichern, sei nun die „Flucht nach vorne“ der einzige
Ausweg. „Wir müssen zeigen, dass wir bereit sind zu kämpfen. Vor allem König
Kunde hat die Möglichkeit, den Lebensmittelstandort zu retten, denn
Lebensmittelhandelsketten passen sich letztlich meist nur dem Kundenverhalten
an. “Martin Pietsch beschäftigt in Amöneburg rund 30 Angestellte, deren
Arbeitsplätze er unbedingt erhalten will: „Die kleinen Indianer müssen sich
gegenseitig unterstützen“, sagt er. Richter-Plettenberg wird deutlicher: „Den
Kunden muss klar werden: Der Patient lebt noch, aber nur sie können ihn wieder
auf die Beine bringen.“ Noch gebe es Hoffnung auf einen Erfolg der weiteren
Verhandlungen.
(Text und Bild sind der Oberhessischen Presse vom 19.12.2009 entnommen)
Originalartikel zum Donwload hier