Vorausschauendes Handeln beim gemeinsamem Stromeinkauf erspart Mehrkosten von 275.000 €

Vorausschauendes Handeln beim gemeinsamem Stromeinkauf erspart Mehrkosten von 275.000 € (Bild vergrößern)

Die Stadt Amöneburg hat eine Vielzahl von Stromabnahmestellen, so dass sie einen recht hohen Stromverbrauch hat, der finanziell heute bereits sehr ins Gewicht fällt. Darunter die Straßenbeleuchtung, Kläranlagen, Brunnenanlagen, und natürlich alle öffentlichen Gebäude. Ihren Stromanbieter darf Sie auf Grund von geltenden Vergabegesetzen nicht wie Private frei wechseln, sondern der Stromeinkauf muss ausgeschrieben werden. Um bessere Preise zu erzielen hatte sich die Stadt Amöneburg dabei früher mit anderen Kommunen und dem Landkreis zusammengetan und gemeinsame eine große Ausschreibung gemacht. Der aktuelle Vertrag, der ausschließlich den Bezug von Ökostrom vorsieht, läuft Ende 2022 aus.

Da die Stadt Amöneburg die Stromnetze mit neun anderen Kommunen im Landkreis vor einigen Jahren rekommunalisiert hatte, und das gemeinsame Netz in der Energie-Marburg-Biedenkopf verwaltet wird, suchte man dort gemeinsam nach einer besseren Lösung. Hintergrund war, dass der Stromeinkauf per Ausschreibung dazu führt, dass die Ausschreibung in einem Paket zu einem willkürlichen Termin auf den Markt kommt, so dass es kaum Möglichkeiten gibt in Phasen von niedrigeren Preisen einzusteigen.

Durch Änderung des Gesellschaftsvertrags bei der EMB wurde nun das Geschäftsfeld des Stromeinkaufs ebenfalls zum Geschäftsbetrieb gemacht und eine sog. "Inhouse-vergabe" ermöglicht. Diese Möglichkeit sieht das GWB (Gesetz gegen Wettbewerbsbeschränkungen) ausdrücklich vor. Gleichzeitig wurde ein Dienstleistungsvertrag mit den Stadtwerken in Marburg geschlossen.

Die Stadtwerke beschäftigt Experten, die einzelne Tranchen sehr langfristig auf der Strombörse einkaufen und nun auch für die Stadt Amöneburg zuständig sind. De Stadt hat sich zudem auch mit dem Abwasserverband Rauischholzhausen-Roßdorf diesem Modell angeschlossen.

Zwar werden die Strompreise auch für die Stadt Amöneburg im nächsten Jahr steigen, jedoch bei weitem nicht so viel wie für alle andere Abnehmer:innen. Die Kostensteigerung ist im Haushaltsplanentwurf mit etwa 25% kalkuliert. Hätte man den hier beschriebenen Weg nicht beschritten, wäre die Stadt Amöneburg bei den Preisen hart getroffen worden. Nach fachkundigen Schätzungen wären Mehrkosten von nochmals 275.000 € entstanden, die den Haushalt 2023 in eine noch größere Schieflage gebracht hätte.

Ohne die Rekommunalisierung der Stromnetze wäre dieser Schritt nicht möglich gewesen.
Die Rekommunalisierung der Stromnetze ist ein wichtiger Aspekt für die Energiewende, um wichtige Entscheidungen weg von den großen Versorgern und Netzbetreibern hin zu den Bürger und Bürgerinnen zu bringen. Daneben stellt sie für die Kommunen auch eine hervorragende wirtschaftliche Beteiligung dar. Mit minimalem Einsatz wird sie Eigentümer des Stromnetzes werden. Bis dato hat die Stadt aus ihrem Haushalt nur die Stammeinlage in die Gesellschaft einbringen müssen. Gleichzeitig hat sie ansehnliche Gewerbesteuereinnahmen sowie Avalprovisonen erzielt. Aktuell soll die Energie-Marburg-Biedenkopf finanziell in ihrer Liquidität gestärkt werden. Dazu ist geplant, dass alle Gesellschafter entsprechend ihrem Geschäftsanteil eine Geldeinlage erbringen. Für die Stadt Amöneburg beträgt dieser Anteil 56.000 €. Die Stadtverordnetenversammlung hat diesem Vorschlag in ihrer letzten Sitzung zugestimmt.

Dieser Schritt war sinnvoll geworden, um vor allem den waschsenden Investitionen durch den Ausbau der Erneuerbaren Energien gerecht werden zu können.