Kein "Baumfrevel", sondern Naturschutzmaßnahme - Robinien im Naturschutzgebiet Amöneburg werden "geringelt"
Rund um die Amöneburg breitet sich die Robinie - ein sogenannter Neophyt - immer weiter aus", teilt das Forstamt Kirchhain mit. Dabei bedrohe die Robinie durch ihre Fähigkeit, den Boden mit Stickstoff anzureichern, den hier seltenen und geschützten Kalk- und Silikat-Magerrasen.
Zudem wachsen die Bäume in die Hutewege des Wanderschäfers ein, der dadurch nur noch sehr erschwert an den steilen Hängen zu seinen Weideflächen gelangen kann. Die Schafe wiederum tragen einen wichtigen Beitrag zur Pflege der seltenen Magerrasen bei.
Die enorme Regenerationsfreudigkeit der Robinie ist es, die den Naturschützern Sorge bereitet, denn der Baum breitet sich stark aus. Damit werden seltene und gefährdete Arten verdrängt. Das Naturschutzgebiet würde auf lange Sicht artenärmer und seinen strukturreichen Offenlandcharakter verlieren.
Um den Baum möglichst naturverträglich Einhalt zu gebieten, werden manche der Bäume nun im Herbst "geringelt". Dabei wird ein Teil der Borke um den Stamm (bis in das Stammholz) eingeschnitten und entfernt. Das tiefe Ringeln ist dabei besonders wichtig, da die Robinie bis in tiefe Schichten Leitungsbahnen zum Stofftransport hat.
Es verbleibt nur ein schmaler Steg, durch den der Baum noch Nährstoffe in den Leitungsbahnen in die Krone transportieren kann.
Dadurch soll der Baum über ein paar Jahre hinweg geschwächt werden, damit er nicht mit Stockausschlag reagiert. Im Nachgang werden die Bäume dann als Totholz im Naturschutzgebiet belassen. Die Maßnahme ist laut Forstamt mit der zuständigen Oberen Naturschutzbehörde beim Regierungspräsidium Gießen abgestimmt und wird durch Hessen Forst ausgeführt.