Stadtverordnetenversammlung sieht Handlungsbedarf – Entscheidung über Abwahl fällt nicht leicht
Meldung aus AmöneburgAmöneburg, 12.08.2026 – Die politischen Gremien der Stadt Amöneburg sehen die Stadt angesichts der anhaltenden schwierigen Haushalts- und Verwaltungssituation vor einer besonderen Herausforderung, die personelle Veränderungen an der Spitze des Rathauses notwendig machen. Nach intensiver Beratung und Abwägung sowie vertrauensvollen Gesprächen mit Bürgermeister Andre Schlipp haben sich die städtischen Gremien darauf verständigt, diesen Schritt im Rahmen des in § 76 Abs. 4 HGO gesetzlich normierten Abwahlverfahrensantrages durch die Stadtverordnetenversammlung zu vollziehen.
Der Erste Stadtrat Markus Dörr, der aktuell die Amtsgeschäfte im Rathaus führt, stellt klar, dass diese Entscheidung keinem der Beteiligten leichtgefallen sei. „Sie dürfen mir glauben, dass ich auch aufgrund freundschaftlicher Beziehungen zum Bürgermeister manch schlaflose Nacht hinter mir habe,“ verdeutlicht Dörr. Hinter einem solchen Schritt steht nicht nur eine politische, sondern auch eine menschliche Dimension. Bürgermeister Andre Schlipp hat sich für das Amt entschieden und trägt als gewählter Bürgermeister Verantwortung für die Stadt. Eine Entscheidung, die auf eine vorzeitige Beendigung dieser Amtszeit zielt, ist deshalb immer mit einer besonderen persönlichen Tragweite verbunden. Die Gremienvertreter betonen, dass es ihnen nicht um eine persönliche Auseinandersetzung oder eine Abrechnung mit dem Amtsinhaber geht. Ausdrücklich danken sie Herrn Schlipp für die geleistete Arbeit, die im zeitlichen Umfang weit über das normale Maß hinausging.
Entscheidend sind die Entwicklung der vergangenen Monate und die Verantwortung gegenüber der Stadt Amöneburg und ihren Bürgerinnen und Bürgern.
Amöneburg befindet sich seit dem 1. Januar 2025 in der vorläufigen Haushaltsführung. Dieser Zustand schränkt die finanzielle und politische Handlungsfähigkeit der Stadt erheblich ein. Insbesondere neue Vorhaben und freiwillige Leistungen können nur eingeschränkt umgesetzt werden. Für eine Kommune ist ein genehmigungsfähiger und tragfähiger Haushalt jedoch die Grundlage dafür, notwendige Investitionen zu planen, Zukunftsprojekte voranzubringen und verlässlich für die Bürgerinnen und Bürger zu handeln.
Die Gremien sehen in der bisherigen personellen Aufstellung keine ausreichende Perspektive, wie und in welchem Zeitraum die Stadt wieder zu einer dauerhaften und gesetzmäßigen Haushaltsführung zurückkehren kann. Ebenso bestehen Zweifel daran, dass dies unter der derzeitigen Amtsführung ohne eine erhebliche und dauerhafte Unterstützung von außen erreicht werden kann.
Diese Situation hat Auswirkungen auf die Zukunft der gesamten Stadt. Wichtige Projekte und notwendige Investitionen können nicht in der gewünschten Weise vorangebracht werden. Je länger die Einschränkungen andauern, desto größer wird die Gefahr, dass sich Maßnahmen verzögern, verteuern oder nicht umgesetzt werden können.
Es geht deshalb vor allem um die Wiederherstellung der finanziellen Handlungsfähigkeit Amöneburgs und um die Frage, wie die Stadt langfristig wieder verlässlich und eigenständig handlungsfähig werden kann.
Auch die Entwicklung innerhalb der Verwaltung bereitet den politischen Gremien Sorgen. Wiederholte personelle Veränderungen und weitere im Rahmen der kommunalpolitischen Arbeit gewonnene Erkenntnisse werfen Fragen nach der notwendigen Kontinuität und Stabilität in der Verwaltung und ihrer Führung auf. Gerade eine kleine Stadtverwaltung ist auf klare Strukturen, verlässliche Verantwortlichkeiten und die dauerhafte Sicherung von Fachwissen angewiesen.
Die städtischen Gremien sehen deshalb die Notwendigkeit, die gegenwärtige Situation grundlegend zu verändern. Sie sind nach sorgfältiger Abwägung zu der Auffassung gelangt, dass die bestehenden Herausforderungen in den Bereichen Haushalt, Finanzen, Verwaltung und Personal nur durch eine grundlegende Veränderung in der Verwaltungsstruktur bewältigt werden können.
Dabei ist den Beteiligten bewusst, dass mit einem Abwahlverfahrensantrag ein weitreichender Schritt verbunden ist. Niemand trifft eine solche Entscheidung leichtfertig. Die persönliche Situation des Bürgermeisters und seiner Familie wird dabei ebenso gesehen wie die Tatsache, dass Andre Schlipp von den Bürgerinnen und Bürgern in sein Amt gewählt wurde und Bürger der Stadt ist.
Der Antrag richtet sich daher ausdrücklich nicht gegen die Person Andre Schlipp. Er ist vielmehr Ausdruck der politischen Überzeugung der Antragsteller, dass die Stadt Amöneburg wieder eine verlässliche finanzielle Grundlage, eine stabile Verwaltung und eine klare Perspektive für ihre weitere Entwicklung benötigt.
„Wir wissen, dass dies eine schwierige und auch menschlich belastende Entscheidung ist. Niemand von uns hat sie leichtfertig getroffen. Aber als gewählte Vertreterinnen und Vertreter der Bürgerinnen und Bürger tragen wir Verantwortung für die Zukunft unserer Stadt. Diese Verantwortung zwingt uns, auch schwierige Entscheidungen zu treffen, wenn wir zu der Überzeugung gelangen, dass die Handlungsfähigkeit unserer Stadt gefährdet ist,“ erklären Fraktions- und Magistratsvertreter unisono.
V.i.S.d.P.
Magistrat der Stadt Amöneburg
Markus Dörr, 1. Stadtrat
Am Markt 1
35287 Amöneburg