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Das Roßdorfer Dorf- und Trachtenmuseum öffnet Fronleichnam von 12 bis 17 Uhr


Aufstellen der Ehrenpforte am Mainzerhof. Während das Schmücken Frauensache ist, werden hier kräftige Männer benötigt
Aufstellen der Ehrenpforte am Mainzerhof. Während das Schmücken Frauensache ist, werden hier kräftige Männer benötigt

Während die meisten Menschen in unserer immer mehr sich von der traditionellen Kirchenlehre abwendenden Gesellschaft die Ursprünge von Weihnachten und Ostern noch kennen, wird es bei anderen christlichen Festen wie zum Beispiel Pfingsten schon schwieriger, genauere Antworten zu erhalten. Bei Fronleichnam, einem Fest, was nur die katholische Kirche begeht, sind viele ratlos. Dabei leben wir im Amöneburger Becken in einer Gegend, in der die Fronleichnamsprozessionen und die damit verbundenen Traditionen noch sehr gepflegt werden.

Den Ursprung hat dieses besondere Fest in den Visionen der Augustinernonne und Mystikerin Juliana von Lüttich (ca. 1192 - 1258). In ihren Erscheinungen sah sie das Altarskrament. Bis dato gab es für den Leib und das Blut Christi kein eigenes Fest, was laut Juliana von Lüttich dringend geändert werden musste. So entstand bereits 1246 im Bistum Lüttich (Belgien) das "Hochfest des Leibes und Blutes Christi". Der Name Fronleichnam kommt aus dem mittelhochdeutschen und bedeutet so viel wie "Leib des Herrn". Papst Urban IV. führte Fronleichnam offiziell als Hochfest allgemeingültig ein.


Einer der vier Altäre die in Roßdorfer während der Prozession besucht werden
Einer der vier Altäre die in Roßdorfer während der Prozession besucht werden

Die Prozession mit der durch den Ort getragenen Monstranz, in der sich eine der Leib Christi als geweihte Hostie befindet, wurde nun ein fester Bestandteil des Kirchenjahres. Im Laufe der Jahrhunderte bildeten sich von Region zu Region allerlei unterschiedliche Traditionen und Bräuche für diesen speziellen Feiertag heraus. In Zeiten der Reformation wurde diese weltliche Ausschmückung zum Hauptkritikpunkt der protestantischen Kirche am Fronleichnamsfest. Noch vor einigen Jahrzehnten war es so, dass evangelische Christen an Fronleichnam demonstrativ Mist fuhren oder Fenster putzen, während ihre katholischen Nachbarn zur Prozession gingen. Die katholische Bevölkerung revanchierte sich für diesen Seitenhieb gleichfalls am Karfreitag, dem höchsten Feiertag der Protestanten. Freilich kamen diese Sticheleien nur in Städten mit gemischt konfessioneller Bevölkerung vor, während die Dörfer im Amöneburger Becken gewöhnlich nur eine Hauptreligion aufwiesen. So hatte jedoch die Fronleichnamsprozession viele Jahre auch einen rebellischen Akzent gegenüber der mehrheitlichen protestantischen Bevölkerung im Marburger Land und in ganz Deutschland. Nach dem preußischen "Kulturkampf" unter Bismarck blühte die Prachtentfaltung an Fronleichnam im Amöneburger Becken besonders auf.

Trotz der Tatsache, dass die Roßdorfer seit einigen Jahren keinen eigenen Pfarrer mehr haben und sich mit dem benachbarten Mardorf und Erfurtshausen einen Priester teilen, bestehen die Prozession und die Bräuche dieses besonderen Tages im Ort fort. Bis zum heutigen Tage wird die Strecke des Zuges in Roßdorf feierlich geschmückt und gestaltet. Die vier Altäre die sich um die Kirche herum befinden, werden äußerst liebevoll gestaltet. Die vielen engagierten Helfer, die teilweise seit Jahrzehnten im Familienverband und aus nachbarschaftlicher Kameradschaft an diesem außergewöhnlichen Tag einander zuarbeiten und helfen, zeugen von einem "gelebten Glauben" in der Kirchengemeinde. Genauso unverzichtbar sind die vielen Mitwirkenden während der Messe und der anschließenden Prozession, wie etwa die Musikgruppe, die mit ihren Klängen die Prozession musikalisch unterstützt. Die Lebendigkeit dieses für manchen Betrachter "antiquierten" Festes wird dadurch besonders unterstrichen.


Anlässlich des katholischen Fronleichnamsfests wird es im Dorf- und Trachtenmuseum Roßdorf am Donnerstag den 19. Juni 2014 eine kleine Sonderausstellung zu diesem Feiertag geben. Der zur regulären Ausstellung gehörende alte Fronleichnamsaltar wird an diesem Tag in den Fokus gerückt. Ebenso werden erstmalig festliche Atlastrachten, die in früherer Zeit von den Frauen zur Prozession getragen wurden, zu sehen sein. Spezielle Heiligenfiguren und -bilder werden einmalig zu diesem Anlass ausgestellt.

Dies ist eine schöne Gelegenheit für Interessierte, sich nicht nur über die bunten Trachten der Region zu informieren, sondern auch Neues über die Geschichte und Bedeutung dieses Kirchenfestes zu erfahren. Besuchern, die sich besonders für Fronleichnam interessieren, sind herzlich dazu eingeladen, die Messe in der Kirche Mariä Geburt und Johannes d. Täufer in Roßdorf mit anschließender Prozession mitzuerleben.

Von 12 bis 17 Uhr ist das Museum für das Publikum geöffnet.

(von Lena Schüler)

Hinweis: Am Fronleichnamstag zeigt das HessenFernsehen um 11.00 Uhr den Film "Trachten Tragen an Fronleichnam" - ein 45 minütiger Beitrag zum Thema, der maßgeblich in Roßdorf gedreht worden ist.






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