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Stadt Amöneburg
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Ehemaliges Tagelöhnerhaus in Rüdigheim - Schandfleck in der Ortsmitte wird beseitigt


Seit 2009 stand ein unter Denkmalschutz stehendes ehemaliges Tagelöhnerhaus, das ca. 300 Jahre alt ist, leer und war marode. Der Eigentümer, der in Dortmund lebt hatte keine Verwendung dafür und konnte sich um das Haus nicht kümmern.
Später übernahm die Stadt das Gebäude von ihm zum symbolischen Preis von 1 Euro. Da eine öffentliche Nutzung nicht denkbar war und man im Ort keine Nutzungsperspektive sah betrieb die Stadt Amöneburg den Abriss des denkmalgeschützten Gebäudes. Es entstand ein Streit mit der Denkmalbehörde beim Landkreis Marburg-Biedenkopf und dem Landesamt für Denkmalpflege. Gegen die Versagung der Abbruchgenehmigung hatte die Stadt zunächst beim Verwaltungsgericht in Gießen geklagt, später jedoch auf Hinweis eines Rechtsexperten aus Berlin die Klage wieder zurück genommen.

In der Folge verabredeten Bürgermeister Michael Plettenberg und Erster Kreisbeigeordneter Marian Zachow, modellhaft zu erreichen, dass Land, Landkreis und Stadt Fördergelder für einen potenziellen Investor bereit stellen, die den Kauf attraktiv machen sollte, dass er/sie es gegen Umsetzung eines Nutzungskonzeptes zum Preis von 1 Euro übernehmen möchte.
Noch bevor ein Wettbewerb ausgeschrieben werden konnte, kam es jedoch nun zum freien Verkauf an Heiko Herz aus Rüdigheim. Dass dies zu Stande kam ist auch ein Verdienst der Denkmalagentur, in der sich alle Ostkreiskommunen engagieren. Letztlich hatte die Agentur ihr Banner an dem Haus angebracht und damit bei dem späteren Käufer Heiko Herz nun doch noch Interesse geweckt. Heiko Herz hat eine Immobilienverwaltung und hat diverse Erfahrungen in der Denkmalsanierung z.B. hatte er vor Jahren einen leer stehenden Fachwerkhof mit großen Scheunen in unmittelbarer Nähe zum Tagelöhnerhaus erworben, und ist dabei diesen zu sanieren. Unter anderem wurden darin Gewerberäume geschaffen.

Bürgermeister Michael Plettenberg, Ortsvorsteher Bernard Becker sind sich einig, dass, auch wenn es nun sehr lange gedauert hat, mit Heiko Herz der ideale Käufer gefunden werden konnte. Das Konzept sieht vor, dass in dem Objekt eine Kurzzeitvermietung für Gäste des Ortes, Touristen, und eine Kurzeitanmietung untergebracht werden soll. Dabei soll die günstige Lage zum Fernradweg R 6 genutzt werden.

Die Denkmalagentur des Landkreises Marburg-Biedenkopf hat damit schon im ersten Jahr ihres Bestehens ein erstes Objekt an einen neuen Besitzer vermittelt. Das ehemalige "Tagelöhnerhaus" in Rüdigheim hat am 12. November mit der Vertragsunterzeichnung beim Notar seinen Besitzer gewechselt.

"Bereits nach nur fünf Monaten konnte das auf der Vorschlagsliste stehende Gebäude der Denkmalagentur von der Liste gestrichen werden", freute sich Carsten Fehr von der Denkmalagentur. "Am heutigen Tag schließt sich der Kreis der Arbeit der Denkmalagentur für das Objekt in Rüdigheim, das nun seinem neuen Besitzer symbolisch übergeben worden ist".
"Viele Besitzer empfinden ein denkmalgeschütztes Objekt mehr als Last", stellte Marian Zachow, Erster Kreisbeigeordneter des Landkreises fest, weil oft große Ängste vor den Kosten und den fachlichen Herausforderungen bestünden und Nutzung und Vermarktungschancen pessimistisch eingeschätzt würden. Demgegenüber seien Förder- und Unterstützungsmöglichkeiten wenig bekannt und kreative Ansätze zu intelligenten und auch finanziell attraktiven Nutzungskonzepten noch nicht weit verbreitet.
"Eine Stadt ohne alte Häuser ist eine Stadt ohne Gedächtnis", sagte der neue Eigentümer des "Tagelöhnerhauses" Heiko Herz. Ohne die Unterstützung durch die Stadt, den Landkreis und das Landesamt, so Herz, sei die Arbeit am Denkmal nicht zu leisten. Als positiv beschreibt er daher auch die Zusammenarbeit mit der Denkmalagentur und dem Fachdienst Bauen des Landkreises. "Wir haben immer gemeinsam konstruktiv nach Lösungen gesucht und diese gefunden", unterstrich Herz.

"Investitionen in und Wiederbelebung von Gebäuden sind ein Ziel für den ländlichen Raum und haben Einfluss auf die Lebens- und Wohnkultur in den teilnehmenden Gemeinden", unterstrich Zachow. Partizipieren könne jeder Denkmaleigentümer und profitiert jeder Bewohner. Die Denkmalagentur soll dazu beitragen, diese Chancen aufzuzeigen und Menschen motivieren, Sanierung oder auch Vermarktung des Denkmals in Angriff zu nehmen. "Wir wollen mit aufsuchender Beratungsarbeit vermitteln, dass ein Denkmal Lust statt Last ist", so Zachow.

Das aus dem frühen 18. Jahrhundert stammende Denkmal wird mit Fördermitteln der Stadt Amöneburg, des Landesamtes für Denkmalschutz Hessen und des Landkreises Marburg-Biedenkopf unterstützt. Gefördert wurden die Renovierung des Fensters, der Eingangstür, der Fassade sowie des Daches. Als erste dringende Maßnahme wird dieses Jahr noch das Dach repariert, um das Haus gut über den Winter zu bringen.
Mit dem Verkauf habe das an einer zentralen Kreuzung gelegene Wohnhaus eines Kleinbauern vor seinem weiteren Verfall gerettet werden können. Nun werde es bald wieder in neuen Glanz erstrahlen, so Zachow. "Die Dorfkerne wieder zu beleben und deren Aussterben zu verhindern, dafür haben wir die Denkmalagentur gegründet", so Zachow. "Am Beispiel dieses Objekts in Rüdigheim zeigen wir, dass es möglich ist, durch kluge Konzepte Ortskerne und Baudenkmäler zu erhalten und zu beleben".
Die Denkmalagentur hat die Aufgabe, für Denkmäler eine neue Nutzung zu finden und dafür Konzepte zu entwickeln. An der Agentur beteiligt sind neben dem Landkreis Marburg-Biedenkopf die Kommunen Amöneburg, Kirchhain, Wohratal, Rauschenberg, Stadtallendorf, Neustadt. Die Denkmalagentur soll Eigentümer und Investoren beraten, Akteure im Bereich des Denkmalschutzes vernetzen, vorhandenes Wissen vermitteln, innovative Nutzungs- und Vermarktungsstrategien entwickeln und unterstützen sowie Wege der Förderung und Finanzierung aufzeigen. Diese Beratung soll Eigentümer von denkmalgeschützten Gebäuden motivieren, aktivieren und überzeugen, dass eine Sanierung ihres Gebäudes möglich und umsetzbar ist.
Noch im Sommer hatte es in einer Ortsbeiratssitzung in Rüdigheim heftige Diskussionen gegeben. Niemand im Ortsbeirat und die zahlreichen anwesenden Gäste sahen zu diesem Zeitpunkt eine Nutzungsperspektive für das Gebäude. Somit ist die Angelegenheit mit dem Verkauf zu einem überraschenden aber guten Ende gekommen.
Bürgermeister Michael Plettenberg betonte, dass dieser Erfolg sicherlich nicht auf jedes Einzelkulturdenkmal zu übertragen sei, da hier mehrere Institutionen tief in die Tasche gegriffen haben, um die Sache voran zu treiben. Nur wenn das Landesamt für Denkmalpflege sich überall so engagiert wie hier, wird man mehr Menschen überzeugen können wirtschaftliche Risiken in der Denkmalsanierung einzugehen.

Mit dem Verkauf des Hauses wird nun ein Objekt aus der sogenannten Dreierliste der Stadt Amöneburg bei der Denkmalagentur gestrichen. Die Stadt kann jetzt ein weiteres Objekt melden, dass der Mitarbeiter der Agentur Carsten Fehr besonders in den Fokus nehmen wird. Interessierte Eigentümer von Kulturdenkmälern können sich bei der Stadtverwaltung melden.


Nachtrag vom 03.12.2018:

Birks-Thres-ihr-Häuschen -  Vom Rüdigheimer Tagelöhnerhaus - das gar keins ist!

In der letzten Ausgabe des Ohmtalboten berichteten wir davon, dass es beim sogenannten Rüdigheimer "Tagelöhnerhaus" zu einer positiven Wende gekommen ist, und die Stadt Amöneburg das Gebäude an Herrn Heiko Herz aus Rüdigheim verkauft hat, der das Gebäude nun mit sehr viel Eigenleistung sanieren und als Ferienwohnung nutzen will.
Das Gebäude hat in Rüdigheim den Spitznahmen "Birks-Thres-ihr-Häuschen
" über das es sogar eine Gruppe im sozialen Netzwerk Facebook gibt. Es läuft aber auch unter dem Titel "Tagelöhnerhaus". Diese Bezeichnung ergibt sich aus der Beschreibung des offiziellen Denkmalbuchs, dass für den Landkreis Marburg-Biedenkopf heraus gegeben worden ist (siehe Grafik).

Liest man den dortigen Text genau stellt man fest, dass die Behörde die das Haus seinerzeit unter Denkmalschutz gestellt hatte gar nicht genau gewusst hat, welche Funktion das Haus wirklich hatte. War es das Haus eines Kleinbauern? Oder war es eben doch die Herberge von Tagelöhnern?

Winfried Dörr, ehemaliger Bürgermeister und Ortsvorsteher von Rüdigheim klärt nun auf, dass das Haus niemals als Tagelöhnerhaus genutzt worden ist, denn in Rüdigheim gab es zu keiner Zeit landwirtschaftliche Betriebe, die so groß waren, dass dort Tagelöhner zum Einsatz gekommen wären, und man dafür eine besondere Unterkunft benötigt hätte.
Als Quelle zieht er die Chronik des Ortes Rüdigheim von Dr. Alfred Schneider heran, der die Geschichte des Hauses detailliert beschreibt.

Das Gebäude wurde 1730 errichtet. Erster namentlich erwähnter Eigentümer ist Lorenz Bien. Später wird das Haus in zwei Eigentumshälften geteilt und die Schwester von Lorenz Bien erhält die zweite Hälfte. In der Nachkommengenerationen der Geschwister teilen sich die Wege des Eigentums beider Hälften. Einer der zwischenzeitlichen Eigentümer Heinrich Genau wandert nach Amerika aus. Im Jahr 1852 taucht das erste Mal der Name Birk in den Unterlagen auf. Die Eheleute Katharina und Heinrich Birk, die 1850 heiraten, werden Alleineigentümer und das Eigentum beider Hälften ist wieder zusammen geführt. Über mehrere Generationen verbleibt es dann im Eigentum der Fam. Birk. Der Nachfahre Paul Birk baut dann in der Nähe in 1954 ein größeres Wohnhaus und die letzte Bewohnerin aus der Familie Birk ist Theresia Birk, die es bis zu ihrem Tode bewohnt.
Später fällt das Eigentum an einen Privatmann aus Dortmund, der es einige Jahre vermietet. Die Mieter verlassen das Haus später in einem unbewohnbaren Zustand und der Eigentümer ist nicht mehr in der Lage sich um das Objekt ordentlich zu kümmern.

In 2013 gelingt es der Stadt Amöneburg das Haus zum symbolischen Preis von einem Euro von dem Dortmunder zu erwerben mit dem Ziel es abreißen zu lassen. Im November erhält der Rüdigheimer Bürger Heiko Herz, der es nun denkmalgerecht sanieren will








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