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Huch was ist das denn? - Pflegemaßnahme Obstwiese "Auf der Gosse"


Wer im Augenblick von der Kernstadt Amöneburgs hinunter Richtung Hofgut Radenhausen schaut, oder auf der Amanaburchtour die Stadt auf dem Basaltkegel umrundet, wundert sich vielleicht: Auf der Streuobstwiese mit der Flurbezeichnung "Auf der Gosse" wird schwer gearbeitet. Alte Apfelbäume fallen der Kettensäge zum Opfer und hier und da ragt nur noch ein alter Baum mit Stummel"armen" in den Himmel. Muss das sein? fragt sich so mancher Wanderer und Naturfreund. Im Frühjahr hatte das Naturschutz-InfoZentrum Amönburg (kurz "NIZA") doch noch einen Kurs "Naturverträglicher Obstbaumschnitt" angeboten, wo Teilnehmer lernten, dass eigentlich nicht mehr als 20 % eines Baumes der jeweiligen Schnittmaßnahme zum Opfer fallen sollten. Und jetzt diese radikalen Maßnahmen?

Der Hintergrund: Die Obstwiese "Auf der Gosse" wurde zuletzt um die Jahrtausendwende herum im Rahmen der damaligen Flurbereinigung gepflegt und auch um viele Neupflanzungen bereichert. Es wachsen dort im wesentlichen verschiedene Apfelsorten, einige Birnensorten und auch Speierlinge, die man zur Herstellung von Apfelwein nach Frankfurter Rezept benötigt.

Nun hat sich dort seit einigen Jahren die Mistel (Viscum album) breit gemacht. Viele Jahre ist das unbeachtet geblieben, denn die Mistel bleibt zunächst unscheinbar. Sie blüht erst nach 6 bis 7 Jahren. Dann erst trägt sie die auffälligen weißen Beeren. Diese sind bei der Misteldrossel und der Mönchsgrasmücke sehr beliebt. Nach kurzer Darmpassage werden die Samen mit ihrer Klebschleimhülle von den Vögeln wieder ausgeschieden und bleiben direkt am nächsten Ast hängen. Die Mönchsgrasmücke heftet die Samenkerne sogar mit ihrer Innenschleimhülle, bevor sie den Außenteil der Beere verschluckt, direkt mit dem Schnabel auf einen nächst liegenden Ast. In beiden Fällen ist die Keimung stets besonders erfolgreich, sobald Regen und Sonne für günstige Bedingungen sorgen. Das war in den letzten Jahren offensichtlich besonders oft der Fall, denn die Mistel ist geradezu "explodiert".

Warum ist die Mistel für den Obstbaum ein Problem? Als photosynthetisch aktiver Halbschmarotzer müsste die Mistel ihrem Wirt eigentlich nur Wasser und Mineralsalze entziehen. Aber es kommt auch zum Anzapfen der Leitungsbahnen für die organischen Substanzen und zu einer sukzessiven Schwächung des Baumes. Das mussten wir in den letzten drei Jahren auf dramatische Weise im Bestand "Auf der Gosse" beobachten. Die allgemein verbreitete Ansicht, dass nur alte Bäume durch Misteln befallen und geschwächt werden, stimmt hier leider nicht. Auch die neu gepflanzten Bäume die in unmittelbarer Nachbarschaft alter Bäume stehen, tragen schon zwei bis drei Jahre alte Misteln. Übrigens: Die Laubbaum-Mistel, um die es hier geht, steht nicht unter Naturschutz. Sie darf auch nicht verwechselt werden mit der Eichenmistel, deren Zweige braun gefärbt sind und die gelbe Früchte trägt, und manch einem als Bestandteil des Zaubertranks aus Asterix und Obelix bekannt ist.


Um die Obstweise langfristig als prägendes Landschaftselement und wertvollen Lebensraum zu erhalten, müssen die Misteln deutlich reduziert werden. Dazu dienen die aktuellen Eingriffe. Alle bereits komplett abgestorbenen Bäume wurden gefällt. Einige Bäume wurden nur im Kronenbereich gefällt, um als stehendes Totholz zukünftigen holzbewohnenden Insekten als Niststätte zu dienen. Bei vitalen Bäumen wurden und werden nur von Misteln besiedelte Hauptäste entfernt.

Alle Bäume, die neu gepflanzt wurden, werden in den nächsten Jahren sorgfältig manuell von Misteln befreit werden müssen. Grundsätzlich muss jeder Mistelherd großzügig ausgeschnitten werden, da eine gerade sichtbare Mistelstruktur schon unsichtbar bis zu 20 cm Richtung Stammbasis in den Stamm hineinragt.

Es wird sich lohnen! "Auf der Gosse" stehen über 100 Apfelbäume unterschiedlichster Sorten. Es gibt alte Regionalsorten, aber auch die Klassiker der Streuobstwiese für die Apfelsaft- und Wein-Herstellung. Manche Äpfel nimmt man besser zum Backen, andere zum Kochen oder zum Trocknen.

Lernen Sie mehr über unsere heimischen Apfelsorten und Ihre Verwendung und werden Sie vielleicht sogar Baumpate! Sie bekommen Ihren eigenen Baum: erst pflegen - dann ernten. Ohne zukünftiges Kettensägen-Massaker.

Amt 22. Oktober veranstaltet das NZA zusammen mit der Region Marburger Land und der Stadt Amöneburg eine Wanderung auf dem Äppel-Trail!. Start ist 10.30 Uhr Parkplatz Gollgarten. Von dort aus geht es rund um den Berg zu verschiedenen Streuobstbeständen mit einer Rallye und Verkostung von flüssigen und festen Apfelprodukten. Anmeldung über Region Marburger Land:
Alexandra.klusmann@stadtallendorf.de.

Wenn Sie Fragen, Anregungen oder Kritik haben, oder wenn Sie Baumpate werden möchten, wenden Sie sich bitte an das Naturschutz-Infozentrum Amöneburg, Telefon 0151 64613390 oder mail to: NIZA@amoeneburg.de

von: Dr. Astrid Wetzel







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