Bereits seit 1983 besteht zwischen der Stadt Amöneburg die Städtepartnerschaft mit der Marktgemeinde Tragwein im österreichischen Mühlviertel. Anlässlich des 40jährigen Jubiläums hatte sich eine Delegation von insgesamt 43 Personen vom 02. bis 04. Juni auf den Weg nach Österreich gemacht, um der Einladung aus Österreich zu folgen. Der Reisebus startete am Freitagmorgen um 6 Uhr am Feuerwehrgerätehaus in Mardorf.
Eingebettet in die Veranstaltung fand auch das regelmäßige "Ringpartnerschaftstreffen" statt, das nach Coronazwangspause zuletzt im letzten Sommer auf neutralem Boden stattgefunden hat, und das von der Stadt Amöneburg organisiert wurde, weil die ursprüngliche Planung im Jahr des 1300jährigen Jubiläums ein großes Treffen in Amöneburg zu veranstalten, 2021 nicht möglich war.
Demgemäß haben nicht nur Vertreter:innen des Roßdorfer Turoro-Clubs unter der Führung Ihrer Vorsitzenden Petra Maus, sondern auch eine zwölfköpfige Delegation aus dem italienischen Turoro sul Trasimeno die 960 Kilometer lange Reise nach Österreich angetreten unter der Delegationsleitung von Tuoros Vizebürgermeister Tomas Fabilli. Eine Teilnahme der Freunde aus dem französischen Chateau-Garnier konnte leider nicht ermöglicht werden. Die Ringpartnerschaft besteht seit 1996.
Nach der unkomplizierten Busfahrt wurde die deutsche Delegation herzlich von Bürgermeister Josef Naderer und seinen Helfer:innen im Kulturtreff Bad empfangen. Kurze Zeit später trafen auch die Gäste aus Italien ein. Nach vielen herzlichen Begrüßungen und einem kleinen Imbiss fand die offizielle Begrüßung und sodann die Aufteilung auf die Quartiere statt. Die meisten der Gäste wurden in Gastfamilien privat untergebracht. Ein Teil der Gäste wurde in dem Bildungshaus des Marianistenordens Greisinghof untergebracht, wo sie sich sehr wohl fühlten.
Der Freitagabend hatte dann kein gesondertes Programm, so dass der persönliche Austausch mit den Gastgeber:innen im Vordergrund stand, um neue Bande zu knüpfen und/oder Freundschaften zu vertiefen.
Bürgermeister Michael Plettenberg mit Ehefrau sowie André Schlipp als zukünftiger Bürgermeister besuchten beispielsweise auf Einladung des österreichischen Amtskollegen eine Theaterpremiere auf der OpenAir-Bühne der Bug Reichenstein, die zu Tragwein gehört. Ein aus mehr als 50 Personen bestehendes Ensemble brachte das Stück "Das Menschenmögliche" auf die Bretter, die die Welt bedeuten. Es handelte von einer dunklen Geschichte aus der Nazizeit. Historischer Hintergrund ist die als "Mühlviertler Hasenjagd" bekannte Begebenheit aus dem Winter 1944/45, als 500 russische Gefangene aus dem nahegelegenen Arbeits- und Todeslager Mauthausen ausbrachen, in dem Sie von den Nazis durch Kälte, unmenschliche Arbeit in einem Steinbruch, und Hunger ausgelöscht werden sollten. Barfuß und dünn bekleidet versuchten sie zu überleben und sich zu verstecken. Die Nazis befahlen der umliegenden Bevölkerung jeden dem man habhaft werden konnte, "wie Hasen" zu jagen, und auf der Stelle zu töten. Das Stück handelt vom Schicksal dieser Gefangenen und der Zerrissenheit der Menschen diesem Befehl der Nazis zu folgen, oder ggf. diesen armen, gedemütigten und restlos hilflosen Menschen in ihrer existenziellen Not zu helfen. Im Mittelpunkt stand die Familie Langthaler, die zwei russische Gefangene aufnahm und monatelang unter der Gefahr dafür selbst ermordet zu werden, bei sich beherbergte. Die Geschichte basiert auch auf dem Bericht einer Zeitzeugin, die mit über 90 Jahren der Theaterpremiere beiwohnte. Von den 500 ausgebrochenen Gefangenen überlebten am Ende nur elf, darrunter auch die zwei, die bei der Familie Langthaler versteckt worden waren.
Am Samstag fuhren dann alle Gäste mit einem Stockbus durch die Marktgemeinde Tragwein, um einige Highlights zu besuchen und zu besichtigen, darunter das Bildungshaus Greisinghof mit seiner Kapelle und seinem Bibelgarten, die Burg Reichenstein mit dem oberösterreichischem Burgenmuseum und die sweit 2016 bestehende Bauernkrapfenschleiferei. Mittags und abends stand die Norbert-Eder-Halle mit dem nebenliegenden Sportgelände auf dem Programm, wo an diesem Tag der "Bezirksbewerb" der Feuerwehren auf dem Programm stand, an dem mehr als einhundert Mannschaften auf Jugend- und Erwachsenebene teilnahmen. Ausrichter war die Feuerwehr Tragwein, die mit mehr als einhundert Helfer:innen diese großartige Veranstaltungen hochprofessionell durchführte, auch mit ihren eigenen Menschen hervorragende Platzierungen erzielte, und die mit ihrem geselligen Teil bis in den späten Abend ging.
Am Sonntagmorgen ging es dann in die Marktkirche Tragwein in die Messe. Pfarrer Magister Heinzel begrüßte die Gottesdienstbesucher auch auf Italienisch und baute das Partnerschaftsjubiläum und das Ringpartnerschaftstreffen in seinen Gottesdienst ein, an dessen Gestaltung sich die Delegationen aus Deutschland und Italien beteiligten.
Nach der Kirche ging es mit einem Festzug, angeführt vom Musikverein Tragwein,in den Kulturtreff Bad (ehemaliges Hallenbad), wo der offizielle Teil der Jubiläumsfeierlichkeiten auf dem Programm stand.
Wie üblich hielten dort die jeweiligen Delegationsleiter die Reden für die beteiligten Partnergemeinden und es wurden Geschenke übergeben.
Die Stadt Amöneburg hatte auf Wunsch der Gastgeber eine (weitere) Basaltsäule aus Amöneburg mit einer Gedenktafel mitgebracht, die von fleißigen Helfer:innen des Tragweiner Bauhofs am Eingang des Neubaugebiets mit dem Namen Mardorfer Straße aufgestellt worden war, und ab sofort an das Jubiläum erinnert und alle Bewohner:innen und Gäste standesgemäß begrüßt.
Nach dem gemeinsamen Mittagessen mit österreichischen Köstlichkeiten stand dann noch die obligatorische Besprechung der Delegationsleitungen auf dem Programm, zu der sich auch die Bürgermeisterin aus Tuoro per Video zuschalten ließ.
Hier wurde über die zukünftigen Aktivitäten gesprochen. Festgehalten wurde, dass im nächsten Jahr in der ersten Augusthälfte eine Fahrt in das italienische Tuoro sul Trasimeno druchgeführt werden soll.
Im Mittelpunkt soll eine Jugendbegegnung stehen. Etwa eine Woche lang sollen junge Menschen im Alter von 13 bis 16 Jahren (eventuell auch etwas jünger) zusammenkommen. Sportliche Aktivitäten sollen dabei im Mittelpunkt stehen. Die Unterbringung der jungen Leute soll nach Möglichkeit in Gastfamilien erfolgen. Die Stadt Amöneburg wird sich mit in Frage kommenden Jugendgruppen in Verbindung setzen. Wer direkt Interesse hat, kann sich bereits jetzt im Rathaus melden. Die Stadt Amöneburg wird auch dieses Treffen organisatorisch und finanziell unterstützen.
Die Erwachsenen sollen dann zu einem verlängerten Wochenende nach Tuoro nachreisen.
Gegen 14.30 Uhr am Sonntag, den 04. Juni, nach langen Verabschiedungen, startete dann der Bus der Fa. Diehl in Richtung Deutschland. Zum Glück gab es nicht so viel Verkehr, so dass die Ankunft an den Ausstiegsstellen in Erfurtshausen, Mardorf und Roßdorf bereits gegen 23 Uhr erfolgte.
Am Ende gingen alle Mitfahrenden erschöpft, aber glücklich nach Hause, mit dem Kopf voller Erinnerungen an ein schönes, europäisches Wochenende unter Freunden.