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Amöneburger Holocaust-Überlebende Minna Stern feiert in New York ihren 100sten Geburtstag

Amöneburger Holocaust-Überlebende Minna Stern feiert in New York ihren 100sten Geburtstag (Bild vergrößern)

Am 11. Februar feierte Minna Stern in New York ihren 100. Geburtstag. Was soll ein 100. Geburtstag in den USA als Information für den hiesigen Landkreis? Minna Stern war das einzige Kind der Familie Buxbaum aus Neuhof bei Fulda. Als Achzehnjährige wurde sie mit ihren Eltern nach Riga deportiert. Im selben Transport befanden sich auch die damals in Amöneburg lebenden Mitglieder der "Seligs" genannten jüdischen Familie Stern: das Ehepaar Hildegard und Siegfried Stern mit ihrem kleinen Sohn Uri Pinchas, Mutter Esther / Ernestine, Siegfrieds Schwester Recha mit ihrem Mann Michael und dem einjährigen Sohn Amon Dennis. Nur Siegfried überlebte, schwergezeichnet, die Shoa. Niemand von den übrigen Familienmitgliedern, die an anderen Orten lebten, kehrte zurück.

 

 Grabsteine

 

Nach dem Krieg suchte Siegfried in Namenslisten der nach Frankfurt mit dem Zug zurückgebrachten Juden nach Namen von Angehörigen seiner Familie: vergebens. Nur ein bekannter Name tauchte einmal auf: Minna Buxbaum. Er bat darum, mit ihr sprechen zu dürfen. Er konnte sie überzeugen, auf dem Weg Richtung Fulda zunächst nach Amöneburg mitzukommen. Sie heirateten später. Bevor sie 1951 in die USA auswanderten, wurden noch ihre beiden ersten Kinder, Uri(e) und Ruth in Amöneburg geboren.

Im Jahr 2000 fand auf dem Hof der Stiftsschule Amöneburg zur Erinnerung an das Schicksal der Familie Stern die Einweihung einer kleinen Gedenkstätte statt: Eine Tafel und Basaltsäulen mit den Namen der Ermordeten trägt die Inschrift.

 

 Minna mit 34 Familienangehörigen bei ihrem Geburtstag 

"Hier lebte die jüdische Familie Stern, deren Mitglieder außer Siegfried Stern in Konzentrationslagern des Dritten Reiches umgekommen sind. Möge ihr Leid eine bleibende Mahnung zu Mitmenschlichkeit sein."

 

Zur Einweihung waren Minna Stern (Siegfried war zwischen der Beschlussfassung und der Ausführung gestorben), Kinder, Schwiegerkinder und Enkel aus den USA nach Amöneburg gekommen, fünfzehn Personen. Die Feier führte sie mit Schülern und deren Eltern, mit Amöneburger Bürger:innen und Lehrer:innen und Vertreter:innen der jüdischen Gemeinde Marburg und der christlichen Kirchen zusammen. Nach der Rückkehr in die USA schrieb Minna an diejenigen, die die Gedenkfeier vorbereitet hatten: "Ich kann euch nicht genug danken, es in Worten auszudrücken, was ihr für uns getan habt: die Planung für unseren 
wundervollen Aufenthalt und der große besondere Tag am 8. Mai, der für immer in meinem Herzen bleiben wird. Und jeden Tag denke ich daran. Ich fühle mich sehr glücklich und gleichzeitig sehr traurig und Tränen kommen in meine Augen."

Nun feierte Minna Stern mit 34 Familienangehörigen, von ihren vier Kindern bis hin zu den Urenkeln, ihren 100. Geburtstag. Wir denken mit Anteilnahme an eine ungewöhnliche Frau.

Anlässlich des 100sten Geburtstags erhielt Frau Stern auch Post aus Amöneburg. Bürgermeister Michael Plettenberg übersandte im Namen der Stadt ein Glückwunschsschreiben, das Sohn Urie der Jubilarin verlas.